Kempten
Nancy ist verletzt, aber sie lebt

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Die Erleichterung steht Venita Zillner ins Gesicht geschrieben: Am Freitag um 6 Uhr morgens erreichte die 51-jährige Haitianerin aus Kempten per Telefon ihre vom Erdbeben betroffene Familie.

Bis auf ihre Mutter, die beim Einsturz des Hauses getötet wurde, haben alle die Katastrophe überlebt (siehe Allgäu-Rundschau). Tagelang hatten die 51-Jährige und ihre Schwester Helena - sie leben in Sankt Mang - auf ein Lebenszeichen ihrer Angehörigen gewartet.

«Sie sind Gott sei Dank alle zusammen. Momentan leben sie in einem Zelt etwa 15 Kilometer von Port-au-Prince», schildert Venita die Situation ihrer Familie in Haiti. Zur Ruhe kommen wird die Kemptenerin in den nächsten Tagen trotz der erlösenden Nachrichten nicht: Sie versucht derzeit, ihre Tochter Nancy zur Behandlung nach Deutschland zu holen. Die 26-Jährige war längere Zeit verschüttet gewesen und ist am Bein verletzt.

«Der Suchdienst des Roten Kreuzes hat signalisiert, dass man die junge Frau vielleicht beim Rückflug eines Hilfstransports mitnehmen könnte», sagt Rudi Goschler vom Haus International. Er unterstützt die 51-Jährige, die sich momentan vor allem mit bürokratischen Problemen auseinandersetzt.

Wer stellt ein befristetes Visum aus, wie kann die verletzte 26-Jährige von Port-au-Prince zum Flughafen in die Dominikanische Republik gelangen? All das gilt es aus tausenden Kilometern Entfernung zu klären. Vielleicht, hoffen Goschler und die 51-jährige Venita, kann die Stadt etwas unternehmen. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer versicherte gestern, die Angelegenheit gleich am Montag prüfen zu lassen.

Unterdessen kümmert sich der Kemptener Katastrophenhelfer Wolfgang Strahl in Haiti bereits um Verletzte. Wie berichtet, war er am Mittwoch in das Erdbebengebiet geflogen. Nach dem erneuten starken Nachbeben habe man die Menschen unter freiem Himmel versorgen müssen. Vor allem Not-amputationen führe das Johanniter-Team momentan durch.

Noch am Freitag brach Strahl gemeinsam mit einem Team von Maltesern und Technischem Hilfswerk in eine Ortschaft etwa 150 Kilometer von Port-au-Prince auf, um die Situation dort zu erkunden.

Strahl, der Vorsitzender des Aktionsbündnisses Allgäu ist, will während seines Haiti-Aufenthalts ein Projekt aussuchen, das dann von Kempten aus unterstützt werden kann. Dazu sollen eventuell beim Halbmarathon und dem Kemptener Stadtfest Spenden gesammelt werden, Oberbürgermeister Netzer übernimmt die Schirmherrschaft.

Und auch die Kemptenerinnen Irmgard Krohns und Susanne Riegg («Haiti Kinder Hilfe») sammeln fieberhaft Spenden. Die Vereinsvorsitzende Marie Josée Laguerre reiste am Donnerstag von New York in die Dominikanische Republik ein und von dort weiter nach Haiti.

Unter anderem darüber will Riegg am Mittwoch bei einem Benefizabend im Haus der Senioren sprechen (mehr über die Veranstaltungen auf Seite 38).

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