Memmingen / Unterallgäu
Nachrichtensprecher aus Nächstenliebe

Heute erhalten rund 60 blinde und sehbehinderte Menschen aus Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu ihre erste Ausgabe der neuen «Hörzeitung», die auch von unserem Verlag unterstützt wird. Die CD mit vorgelesenen Berichten aus der Memminger Zeitung wird seit gestern beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in der Memminger Donaustraße produziert (siehe auch Infokasten). Die erste Ausgabe enthält 46 Berichte.

Das BRK baut auf einer langen Tradition auf: Denn bis Ende des vergangenen Jahres hat Erika Siede aus Buxheim in Zusammenarbeit mit dem Blindenbund 1402 Ausgaben der «Zeitung für Blinde und Sehbehinderte» hergestellt. Dafür hatte sie Woche für Woche ausgewählte Artikel aus der Memminger Zeitung und der Mindelheimer Zeitung auf Kassette gesprochen. Die Umstellung auf CD wollte die 70-Jährige nicht mehr mitmachen und entschloss sich, nach fast 27 Jahren aufzuhören.

«Aus diesem Grund hat uns der Blindenbund gefragt, ob wir die Aufgabe übernehmen könnten. Und wir haben zugesagt», erläutert Markus Riker.

Der Leiter der Sozialarbeit beim BRK-Kreisverband Unterallgäu erklärt: Neun ehrenamtliche Sprecher im Alter zwischen 18 und 78 bilden nun jeweils Zweier-Teams, die sich im wöchentlichen Turnus abwechseln.

Los gings gestern mit dem Duo Marianne Feifel und Karl-Josef Mewaldt: Bei ihrer Premiere benötigten die beiden Buxheimer rund zweieinhalb Stunden, bis alle Artikel im Kasten waren.

Die Nachrichtensprecher aus Nächstenliebe lesen die von ihnen im Lauf einer Woche ausgewählten MZ-Artikel mit einem Mikrofon über ein spezielles Programm direkt in den Computer ein. Wenn sie fertig sind, erstellt Markus Riker eine CD mit den Aufnahmen. Diese wird anschließend sofort nach Mindelheim gebracht.

Dort werden die CDs kopiert, in spezielle Versandtaschen gesteckt, zur Post gebracht und von dieser kostenlos verschickt - damit die Zeitungshörer jeweils am Dienstag ihre aktuelle Ausgabe bekommen.

«Frohen Herzens»

«Ich habe diese Aufgabe übernommen, weil ich mich fit und gesund fühle», erzählt die 78-jährige Marianne Feifel, «deswegen möchte ich Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie mir.» Auch der 73-jährige Karl-Josef Mewaldt hebt den sozialen Gesichtspunkt hervor: «Wenn man Menschen helfen kann, die ihr Augenlicht verloren haben, dann sollte man das frohen Herzens tun.»

Wenn man den beiden Senioren mit geschlossenen Augen beim Vorlesen zuhört, fallen sogleich ihre angenehmen, warmen Stimmen auf. Marianne Feifel und ihre Kollegen würden sich freuen, wenn dies alle Hörer so empfinden würden, denn: «Auch ein kleiner Versprecher ist doch überhaupt nicht schlimm und zeigt doch nur, dass hier Menschen tätig sind» - im Dienst für andere Menschen, die Hilfe benötigen.

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