Nachbarschafts-Krieg führt Kontrahenten vor den Kadi

Von Brigitte Horn | Sonthofen 'Das war richtig Krieg' - so beschrieb der Zeuge/Gegner vor dem Sonthofer Amtsgericht die explosive Stimmung, die sich in einem Mehrfamilienhaus auf dem Land zwischen zwei Familien aufgeschaukelt hatte. Sein Gegenpart saß auf der Anklagebank, weil ihm die Staatsanwaltschaft Bedrohung und Nötigung vorwarf. Was der 37-Jährige jedoch ebenso vehement wie wortreich von sich wies.

Angefangen hatten die abstrusen Nachbarschafts-'Kämpfe' schon vor drei Jahren, schilderte er die filmreife Vorgeschichte. Damals schickte ihm die 'gegnerische' Ehefrau die Polizei auf den Hals, weil seine Kinder angeblich ihr Auto zerkratzt hatten. Darüber hinaus habe sie ihm 'eine gescheuert' und ihm angedroht, sein Leben zur Hölle zu machen, erzählte der Autohändler. Als die Dame dann einige Zeit später 'stockbesoffen' sein Auto angefahren habe und geflüchtet sei, erstattete er seinerseits Anzeige.

Was ein neues, noch krasseres Kapitel an Aggressionen einläutete: Ihr darob heftig erboster Gatte habe ihm mit einem Stahlkappen-Schuh ins Gesicht getreten, worauf er sich gewehrt habe, so der 37-Jährige: 'Und dafür wurde ich bestraft, was ich bis heute nicht verstehe' (für diese massive Rauferei hatten beide Kampfhähne sechs Monate Freiheitsstrafe kassiert).

Das nächste Scharmützel folgte im vergangenen Jahr, als die Nachbarin den Autohändler bei der Polizei bezichtigte, mehrfach mit einem nicht versicherten und angemeldeten Pkw gefahren zu sein. Im Gegenzug wiederum obsiegte der 37-Jährige bei einem Zivilprozess gegen ihren Mann, der ihm (wegen des Fußtritts) 4500 Euro Schmerzensgeld zahlen muss. Woraufhin der 46-Jährige nun beschloss, 'diesen Nervenkrieg, der einfach nicht mehr auszuhalten war' zu beenden und 'das Kriegsbeil zu begraben'.

Dazu traf man sich in einem Lokal um die Ecke auf 'neutralem Boden'. Die Ereignisse hier schilderten Angeklagter und Zeuge vor Gericht völlig verschieden. Bei dem Gespräch sei 'keine Drohung oder so was vorgefallen - das kann die ganze Pizzeria bezeugen', beteuerte der Autohändler. Dagegen sagte der 46-Jährige aus, sein Kontrahent habe ihn 'unter Druck gesetzt und gedroht, meine ganze Familie auszulöschen', wenn die Anzeige gegen ihn nicht zurückgezogen wird.

Weil er davon aber 'so geschockt' gewesen sei, unterschrieb der Arbeiter einige Tage später beim Rechtsanwalt seines bösen Nachbarn eine eidesstattliche Versicherung, die den 37-Jährigen entlasten sollte. Dennoch griff die Staatsanwaltschaft das Pizzeria-Treffen auf - wohl nicht zuletzt deshalb, weil der Autohändler zuvor bereits zwölf Mal vor dem Kadi gestanden hatte, unter anderem mehrfach wegen Fahrens ohne Führerschein und Betrugsdelikten.

Diesmal verließ er den Gerichtssaal ohne neue 'Kerbe' in der Strafliste: Richterin Brigitte Gramatte-Dresse entschied die dubiose Streit-Geschichte 'im Zweifel für den Angeklagten' und sprach den 37-Jährigen frei. Zumal weiterem Nachbarschafts-Zoff der Boden entzogen ist: Der Autohändler hat sich inzwischen - viele Kilometer entfernt - eine andere Wohnung gesucht.

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