Mut haben, neue Wege zu gehen

Von Ingrid Grohe | Westallgäu/Röthenbach 'Zusammen sind wir weniger allein' - mit dieser Aussage hat Silvia Garbotz aus Oberhäuser (Röthenbach) über die Zeitung alleinstehende Menschen eingeladen, gemeinsam Weihnachten zu verbringen. Nach einem ersten Kontakt trafen sich am Heiligen Abend zwei Männer und fünf Frauen in ihrer Wohnung. Es wurde eine Feier mit viel Freude und mit Rührung, wie wir im Interview mit der Initiatorin erfahren haben.

Frau Garbotz, haben Sie mit Ihren Gästen 'Stille Nacht' gesungen?

Silvia Garbotz: (lacht) Wir haben Weihnachtslieder gesungen, aber nicht Stille Nacht. Die Lieder waren erst ganz am Schluss dran, andere spirituelle Lieder. Ich hab eine CD mit solcher Musik, da haben wir mitgesungen.

Die Gesellschaft war bunt zusammengewürfelt. Verbunden hat Sie alle der Wunsch, Weihnachten nicht alleine zu verbringen. Was für Leute waren denn nun da?

Garbotz: Sie kamen bis von Bodnegg, jemand war aus Lindau, aus Gestratz und aus Scheidegg. Das Alter lag ungefähr zwischen 40 und 60. Fast die ganze Runde waren spirituelle Menschen. Wir haben auch eine Meditation gemacht. Im Anschluss daran hat jeder eine Weihnachtsbotschaft von mir bekommen. Eine Frau hat uns eine Geschichte vorgelesen: 'In dir ist das Licht', sie hat jedem eine Teelicht mit selbstgebasteltem Kerzenhalter geschenkt. Damit habe ich erreicht, die Menschen im Herzen zu berühren. Wir haben ganz viel gelacht - und auch ein paar Tränen der Rührung vergossen. Es haben sich auch Menschen untereinander gefunden. Das war auch mein Ansinnen, dass sich Menschen begegnen, die sich etwas zu sagen haben.

Eine spannende Sache - Weihnachten zu feiern mit Leuten, die man kaum kennt. Wie lange dauerte es, bis alle entspannt feiern konnten?

Garbotz: Zuerst war es nicht einfach. Wir haben eine Vorstellungsrunde gemacht. Dabei hat ein Mann alle Äußerungen der anderen negativ kommentiert. Irgendwann habe ich gespürt, dass die Stimmung kippt, und machte ihn darauf aufmerksam, dass jeder sich vorstellen darf, ohne kritisiert zu werden. Dieser Herr ist dann gegangen. Das war in Ordnung, denn er hat nicht dazugepasst. Danach hatten wir so viel Spaß, dass keiner heimgehen wollte. Ich bin um drei ins Bett gegangen. Einige haben eine Nachtwanderung gemacht. Am nächsten Morgen waren sie wieder da. Wir haben gemeinsam gegessen - jeder hat was mitgebracht - und einen wunderschönen Spaziergang gemacht. Die letzten sind abends um acht gegangen.

Wenn es von Ihrem außergewöhnlichen Weihnachtsabend eine Botschaft gibt - wie lautet diese?

Garbotz: Die Botschaft ist die, dass die Menschen, die alleine sind, den Mut haben sollen, neue Wege zu gehen und neue Menschen kennenzulernen.

Werden Freundschaften entstehen?

Garbotz: Ich denke schon. Es war das erste Treffen, aber es sind schon kleine Freundschaften entstanden. Es fühlte sich fast an, wie wenn wir uns schon lange kennen würden. Jeder hat sein können, wie er sein wollte. Keiner hatte eine Erwartung. Wir haben uns getroffen und gesagt: Wir machen uns einen schönen Abend.

Für Silvester haben sie die nächste Single-Feier geplant

Garbotz: Ja, teilweise kommen die gleichen Leute. Und es kommen einige neue dazu. Wer mutig ist, kann sich gerne bei mir melden.

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