Marktoberdorf
Musik contra TV-Kultur

Schulklassen und Kindergärten aus Marktoberdorf versammelten sich im Modeon. Eigeladen hatten sie das Timna Brauer und Elias Meiri-Ensemble aus Österreich zum Konzertnachmittag «Kinderlieder aus Europa».

«Lieder in anderen Sprachen zu singen, ist wie kleine Fenster zu anderen Kulturen zu öffnen», meint Brauer. Die promovierte Jazzsängerin ist viersprachig aufgewachsen und selbst immer wieder überrascht, wie schnell auch die Jüngsten fremde Texte erlernen können. Die musikalische Entdeckungsreise für Groß und Klein sollte einen Gegenpol zur passiven Reizüberflutung der TV-Kultur darstellen, und einfach Lust am spontanen Musizieren wecken. Vor allem aber sollte sie schon bei den Kleinsten zu mehr Neugierde und Offenheit für andere Kulturen führen.

Die beiden charismatischen Musiker stellten ihren Zuhörern mit Hilfe von Texten und Bildern auf einer Leinwand verschiedenste deutsche, griechische, ungarische, englische, slowakische, niederländische und spanische Kinderlieder vor.

Timna Brauer erklärte kurz den Inhalt der Lieder und dann konnte es losgehen: Das Publikum sollte fleißig mitschnipsen, mitklatschen und einfache Refrains sogleich mitträllern. Ein Multikultimix, nicht nur an Sprachen, sondern auch an Instrumenten.

Ein Ratespiel zum Thema «bekannte Kinderlieder aus unserer Heimat» regte zum Mithören und Mitdenken an. Teilweise waren die Melodien jedoch so stark verfremdet, dass den Quizteilnehmern altbekannte Stücke, wie «Hänschen klein» oder «Ein Männlein steht im Walde», nicht sofort als Antwort auf der Zunge lagen.

Weniger wäre mehr gewesen

Sogar gejodelt wurde in diesem bunten Liederreigen, allerdings tat das Timna Brauer ganz allein. Beim letzten Stück, einem jüdischen Kinderlied, sprang dann endlich der Funke der Begeisterung spürbar über und die Zuschauer sangen und hüpften mit. Leider herrschte trotz des Versuchs, die Kinder in das Programm mit einzubeziehen, eine fühlbare Distanz zwischen Bühne und Publikum. Mancher Zuschauer vermisste teilweise eine kindgerechtere Anschaulichkeit, um den Bezug der jungen Zuschauerschar zu einzelnen Ländern und Kulturgruppen intensiver herzustellen. So hätten mehr Wiederholungen größeren Erfolg beim Mitmachen erzielt und vielleicht den Funken der jungen Mitsänger früher «überspringen» lassen. Der Versuch, den Blick auf die Vielfalt zu fördern, darf nicht überfordern - und «weniger Fenster zu öffnen», diese dafür weiter, wäre dann sogar mehr.

«Mir hat das Lied «Die lustigen Handwerker» am besten gefallen, weil wir es am Anfang und am Ende gesungen haben», meinte die siebenjährige Luisa, die mit Ihrer Klassenlehrerin Ingeborg Steiner der Adalbert-Stifter-Grundschule die Veranstaltung besuchte.

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