Mundart und Musik als große Passion

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Von Brigitte Horn | Bad Hindelang-Hinterstein Hinter den 32 000 Schindeln des 400 Jahre alten, heimeligen Bauernhauses am Fuß des Zipfelschrofen ist eine geballte Ladung musischer Passionen, ausgeprägter Heimatliebe, vielseitiger Kreativität und handwerklichen Geschicks daheim: Ob Mundart oder Musik, Brauchtum oder Bautradition - Beate und Konrad Lipp stehen für Unverfälschtes, Altüberliefertes, Bodenständiges.

Beider Familien sind 'allat scho' - die Stammbäume reichen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zurück - im Ostrachtal daheim, ihre in Hinterstein, seine im Drei-Häuser-Weiler Groß bei Liebenstein. Besonders am Herzen liegt dem Ehepaar die Pflege des reinen Dialekts - ein Metier, in dem vor allem Beate Lipp schon von Kindesbeinen an intensiv daheim ist. Hat sie doch für ihre Mutter, die bekannte Mundartdichterin Blanka Zettler, viel Gereimtes 'ins Reine' geschrieben.

Außerdem zählt die gelernte Arzthelferin seit mehr als 30 Jahren zum Stamm des 'Büretheaters' von Hinterstein, das für seine original Ostrachtal-Sprache bekannt ist. Was wiederum Blanka Zettler zu verdanken ist, die viele Stücke um- und selbst zwei lustige Heimatgeschichten geschrieben hat.

Längst schreibt die Tochter selbst (wie ihr Mann betont 'ganz schöne') Gedichtle und G’schichtle, aber auch 'kleine Theaterle' und Weihnachtsspiele, die sie dann mit Kindern aus dem Dorf einstudiert.

Von elementarer Bedeutung ist für Beate und Konrad Lipp auch die Volksmusik, in die sie 'ninggeboaren' worden sind und die in ihrer beider 'Leabe allet wichteg gwea ischt'. Seit über 30 Jahren spielen sie zusammen - er Zither und Scherrzither (die hat nur drei Saiten und wird nicht gezupft, sondern 'geschlagen'), sie Bassgitarre und 'für den Hausgebrauch' Hackbrett und ebenfalls Scherrzither.

Musikauftritte bei großen Veranstaltungen überlassen die Lipps inzwischen lieber den Jungen; sie spielen aber viel und gern daheim oder droben auf der Jagdhütte im kleinen Kreis, außerdem bei kirchlichen Anlässen. Und zwar überwiegend Stücke von Beate Lipp, die aber das Wort komponieren gar nicht hören mag: 'I schrieb’s hôlt.'

Weil sie ihre große Freude an der Musik auch weitervermitteln wollen, geben die Lipps Ostrachtaler Nachwuchs-Instrumentalisten Unterricht. So kommen im Schnitt pro Woche zehn Jugendliche und üben vor allem das Gruppenspiel. Dafür nimmt das Ehepaar 'kuin Pfeneng', schließlich seien sie ja keine Musiklehrer.

Konrad Lipp weiß darüber hinaus schon seit der Bubenzeit seine außerordentlich geschickten Hände für viele schöne Dinge einzusetzen. Nicht nur, dass er das Elternhaus seiner Frau Beate als inzwischen sogar preisgekröntes Schmuckstück gestaltet hat. Der frühere kaufmännische Werkleiter der Hindelanger Kur- und Verkehrsbetriebe arrangiert auch schöne alpenländische Krippen mit selbst geschnitzten und bemalten Figuren. Zu Pinsel und Farbe greift der vielseitige 65-Jährige seit einiger Zeit außerdem, um - wie schon sein Vater - Bilder zu malen. Und er führt eine Tradition fort, die 1756 von den Gebrüdern Eberhard im Ostrachtal begründet wurde: das Larven 'schnipfle'. Diese meist recht furchterregenden Holzmasken sind inzwischen am Fasnachtssonntag wieder wichtiger Bestandteil des Umzugs. Mit dabei sind auch an die 25 Butzenlarven, die Konrad Lipp dazu an die Dorfjugend ausleiht.

Schließlich hat der Ostrachtaler noch eine Leidenschaft, der er schon seit jungen Jahren - damals allerdings 'schwarz' - frönt: die Jagd. Reichte früher beim 'Wildele' sein 'Revier' bis hinüber zum Tegelberg, so ist er seit 1990 Jäger mit offiziellem Schein und kümmert sich um das Areal rund um die Zipfelsalpe im Iselergebiet. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, gilt doch Hinterstein als das durch Steinschlag und Lawinen gefährdetste Dorf in Bayern. So geht Konrad Lipp sehr häufig auf die Pirsch, um die Verbissschäden im Schutzwald niedrig zu halten. Und seine Beate ist oft mit dabei - sie jagt zwar nicht selbst, ist aber eine passionierte Begleiterin, weil’s einfach 'schi ischt'.

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