Morgen soll griechischer Wein auch fließen

Von Andreas Filke 'Frankreich oder England', posaunt der Älteste seinen Tipp heraus, wer denn morgen den Pokal des Fußball-Europameisters in den Himmel recken wird. 'Wegen Zidane und Beckham', schiebt er als Begründung nach. Das klingt fachkundig. 'Nein, Ruud van Nistelrooy und Holland gewinnen', kontert der jüngste Filius. Mein 'Deutschland, obwohl ohne Jörg Böhme', erntet ein eher mitleidiges Lächeln. Zugegeben, da schwang mehr Patriotismus als Sachverstand mit. 'Und du?', richten sich auf einmal alle Augen auf meine Frau. 'Ich glaube, diesmal wird's ein Außenseiter. Griechenland vielleicht.' Das kollektive Lachen ist ihr sicher. Es hielt bis Donnerstagabend und dem 1:0 der Hellenen über Tschechien an. Gut, Giros, gegrillte Lammsteaks und Tsatsiki haben wir schon immer gern bei 'unserem Griechen' gegessen. Auch 'Griechischer Wein' haben wir mitunter nach reichlicherem Genuss desselben mit Udo Jürgens angestimmt. Die griechischen Sagen sind uns ein Begriff. Aber Fußball? Wird das da überhaupt gespielt? Ach ja, Panatinaikos und AEK Athen, auch PAOK Saloniki.

Und dann beginnt der weiße Fleck auf der eigentlich allumfassenden Landkarte dieses beliebten Sports. Bei genauer Betrachtung aber offenbaren sich Gemeinsamkeiten, über deren Tragweite sich kaum einer vor der EM bewusst war. Da trugen dereinst die Bayern nicht die Eulen, wohl aber die Braukunst nach Athen. Außerdem besitzen die Griechen unser Geld, schließlich gilt der bei Seeg ansässige Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel als der 'Vater' des Euro. Unseren freien Fotografen Heinz Budjarek hat die Marktoberdorfer Redaktion derzeit nach Griechenland abgegeben, damit er dort den Tourismus fördert und die Kassen füllt. Unser Angelos Charisteas schießt für Griechenland die Tore, so wie er es bei Werder Bremen gelernt hat. Deutscher Meister ist er geworden und deutscher Pokalsieger. Und dann erhalten die Nationalkicker aus dem Dunstkreis der Akropolis - als reicht dies alles nicht schon längst - auch noch unseren Trainer, unseren 'König' Otto Rehakles. Selbst sprachliche Wurzeln lassen sich ausmachen. Denn mit einem Landjäger im Mund klingt der abendliche Wunsch nach einer guten Nacht im Griechischen genauso wie in Allgäuer Mundart: Bei 'guats Nächtle' fühlt sich ein jeder Grieche an sein 'kali nichta' erinnert. Um es kurz zu machen: Wenn Griechenland das Finale siegt und damit den Erfolg vom Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Portugal wiederholt, dann ist das auch unser Erfolg. Dann wird Sirtaki getanzt und Ouzo getrunken. Auch weil meine Frau dann doch nicht recht hätte. Von wegen, ein Außenseiter gewinnt. Griechenland und Außenseiter. Papperlapapp. Das war doch stets unser aller Geheimtipp. Oder?

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