Momente, die richtig glücklich machen

Von unserem Mitarbeiter Michael Dumler, Kempten - Nur ein paar Sekunden, nachdem sie völlig außer Puste am Beckenrand mit den Händen angeschlagen hatte, fällt alle Anstrengung von ihr ab. 'Bravo', schallt es von einigen Zuschauern herüber. Andere klatschen begeistert. Ja, und dann setzt Steffi plötzlich ein strahlendes Lächeln auf. 1:09 Minuten benötigte die querschnittgelähmte Schülerin der Astrid-Lindgren-Schule (Kempten) für ihre Lieblings-Schwimm-Disziplin 50 Meter Rücken im 'Cambomare'. 'Damit bin ich zufrieden', sagt die 17-Jährige aus Markt Rettenbach. Kann sie auch, denn dafür bekommt sie am Ende die Goldmedaille. Momente wie diese, die so richtig glücklich machen, gibt es viele beim zweitägigen Landesschulsportfest der Körperbehinderten in Kempten. Ein wenig Angst wegen der ungewohnten Wassertiefe von 1,80 bis 3,80 Meter im Sportbecken des 'Cambomare' hatte sie schon, gibt Steffi zu. Normalerweise zieht sie im Nichtschwimmerbecken ihrer Schule (1,35 Wassertiefe) ihre Bahnen. 'Aber als es losging, habe ich nicht mehr an die Tiefe gedacht', sagt sie. Überhaupt, es ist alles irgendwie anders, als beim vertrauten Schulsport. 'Am Anfang eines Wettkampfes bin ich unheimlich aufgeregt', gibt Steffi zu. Die ganze Atmosphäre, mit den vielen auswärtigen Schülern und ihren Betreuern, das sei schon etwas ganz Besonderes. Zitat Im Wasser fällt es den Kindern und Jugendlichen leichter, ihre körperlichen Beeinträchtigungen zu kompensieren. Beim Schwimmen erfahren sie durch den Auftrieb des Wassers ein befreiendes Körpergefühl.} Hannelore Tasic, Hauptorganisatorin des Landesschulsportfestes und Sportlehrerin. 'Hopp, hopp, hopp' skandieren Betreuer, Zeitnehmer und Zuschauer, als der zwölf-jährige ebenfalls querschnittgelähmte Titzian aus Burgberg die 50-Meter-Brustdistanz ausschließlich durch Armbewegungen meistert. 'Im Wasser geht für viele körperbehinderte Kinder und Jugendliche fast alles', weiß Hannelore Tasic, Sportlehrerin an der Astrid-Lindgren-Schule und Hauptorganisatorin des Sportfestes, bei dem sich an zwei Tagen alles um Leichtathletik, Schwimmen und Mannschaftssportarten dreht. 264 körperbehinderte Schüler aus 13 bayerischen Städten, darunter Coburg, Nürnberg, Würzburg, Regensburg, Ingolstadt, Passau und Kempten, nehmen an dem vom bayerischen Kultusministerium veranstalteten Sportfest teil. 'Nach 1995 richten wir es zum zweiten Mal aus', erzählt Dr. Thomas Störmer, Rektor der Astrid-Lindgren-Schule.

'Lauf, Nadine, lauf!' 'Lauf, Nadine, lauf', ruft Timo seiner Mitschülerin zu, die sich beim 100-Meter-Sprint auf der TVK-Anlage einer starken Konkurrenz gegenüber sieht. Die Goldmedaille im Schwimmen über 50-Meter-Freistil hat der 14-Jährige aus Engetried (Unterallgäu) in der Tasche. Beim Leichtathletik-Dreikampf (Ballweitwurf, 100 Meter, Weitsprung) läuft es aber nicht so, wie es sich der 14-Jährige mit chronischem Rheuma vorstellt. Über die 100 Meter wird er mit 16,73 Sekunden Fünfter. Timos eigentliche Leidenschaft gehört dem Fußballspiel. Im Team der Astrid-Lindgren-Schule steht er zwischen den Pfosten. Und bekommt jede Menge 'Dinger' rein. Von vier Vorrundenspiele drei verloren und ein Unentschieden, aber was soll's - bei der deutschen Nationalelf lief's bei der EM ähnlich. 'Nächstes Jahr sind wir besser', ist er überzeugt. Und besser findet er auch Iker Casillas, seines Zeichens Ballfänger bei Real Madrid: 'Der kann mehr als Olli Kahn!'.

Viele Helfer und Sponsoren Viele Helfer und Sponsoren waren nötig, um das Sportfest realisieren zu können. Auch das sind Glücksmomente. Das 1. Gebirgssanitätsregiment 42 aus Kempten etwa stellte nicht nur 350 Feldbetten in der Astrid-Lindgren-Schule für die Übernachtung der Sportler und ihrer Betreuer auf, sondern karrte auch Mittag- und Abendessen an und half bei der Durchführung der Wettbewerbe mit. Wie eine Wettkampf erprobte Alt-Herren-Clique des TV Kempten 1856. Organisatorin Hannelore Tasic freut sich: 'Und das Cambomare stellte uns das Sportbecken für die Schwimm-Wettbwerbe kostenfrei zur Verfügung'. Nach zwei aufregenden ('Hält das Wetter?'), aber durchaus glücklich machenden Tagen will sie nur noch eines: Schlafen.

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