Westallgäu
Möglichst umweltfreundlich in die Berge

Mit sich bessernder Schneelage zieht es viele Skifahrer wieder in die Berge. Im Trend liegt Skibergsteigen, also Tourengehen. Ein Problem kann das für Wildtiere sein, die in einer für sie schwierigen Zeit gestört werden. Mit seinem Projekt «Skibergsteigen umweltfreundlich» will der Alpenverein die Konflikte begrenzen. Unser Redaktionsmitglied Peter Mittermeier hat darüber mit Bernhard Maier gesprochen, dem Umweltbeauftragten der Alpenvereinssektion Weiler.

Sie gehen selber Skitouren?

Bernhard Maier (lacht): Natürlich und mit viel Freude. Es geht auch gar nicht darum Skibergsteigen zu verteufeln. Es sollte nur möglichst umweltfreundlich geschehen. Kaum ein Skibergsteiger schadet der Natur absichtlich. Es geschieht meist schlicht aus Unkenntnis.

Warum hat der Alpenverein denn sein Projekt gestartet?

Maier: Grundsätzlich wird der freie Naturraum immer mehr in Anspruch genommen, von allen Seiten und fast zu jeder Tageszeit. Das Projektgebiet Bayerische Alpen ist besonders betroffen aufgrund seiner dichten Besiedlung, guten Verkehrserschließung und seiner relativ niedrigen Höhenlage, in der auch im Winter zahlreiche Wildtiere leben.

Welche Tiere werden denn besonders gestört?

Maier: Neben den allseits bekannten Rehen, Hirschen und Gemsen geht es vor allem um Rauhfußhühner. Die Tiere stehen auf der roten Liste, sind also insgesamt vom Aussterben bedroht. Um den harten Winter überleben zu können, müssen sie Energie sparen, sollten sich also so wenig wie möglich bewegen. Werden die Tiere aufgeschreckt, erhöht sich ihr Energieverbrauch auf das sechs- bis zwölffache. Geschieht das oft droht der Hungertod. Bei Vertreibung in ungünstige Lebensräume werden sie überdies leichter Beute von Räubern wie Fuchs oder Greifvögeln. Bei Rauhfußhühner gibt es zudem ein spezielles Problem: Die meisten Skifahrer sehen sie nie bis selten. Wie soll er aber an ein Tier denken, das er nie sieht?

Verschärft wird das Problem durch Schneeschuhgänger. Warum?

Maier: Schneeschuhgänger haben andere Vorlieben als Skibergsteiger, denen es vorrangig um genussvolle Abfahrten geht und die bergauf meist die Spur der Vorgänger nutzen. Schneeschuhgänger dagegen suchen den Naturgenuss in möglichst unberührter Schneelandschaft auch in Gebieten und bei Schneelagen, die für Skitourengeher unattraktiv sind.

Wie verhält sich ein Tourengänger denn richtig?

Maier: Er sollte möglichst auf Touren in der Dämmerung verzichten, weil die Tiere dann auf Nahrungssuche sind, sowie Abstand zu Waldrändern halten. Und er sollte sich an die Routen halten, die der Alpenverein empfiehlt. Das auch im eigenen Interesse. Die einschlägigen Gesetze würden zeitlich befristete Betretungsverbote hergeben. Die wollen wir vermeiden.

Sie haben die empfohlenen Routen angesprochen. Wie kommt der Alpenverein dazu?

Maier: Es ist eine umfangreiche Arbeit, in die möglichst alle Interessensgruppen eingebunden und beteiligt werden. Dazu gehören beispielsweise Behörden, Grundbesitzer und Jäger. Die fachliche Leitung hat ein Wildbiologe. Seit etwa zehn Jahren wurde so der gesamte bayerische Alpenbereich von Ost nach West bearbeitet. In diesem Winter ist die ans Westallgäu angrenzende Nagelfluh- und Hörnerkette an der Reihe, den Abschluss bildet dann im nächsten Winter der Allgäuer Hauptkamm um Oberstdorf. In die neuen DAV-Karten im Maßstab 1:25000 werden dann nur noch solche empfohlenen Routen aufgenommen.

Sie haben vorher nächtliche Tourengeher angesprochen.

Maier: deren Zahl stetig zunimmt

Warum?

Maier: Vermutlich auch weil das Licht der Lampen besser wird. Das nutzen die Leute für nächtliche Touren. Obwohl es meines Wissens bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber gibt, ist zu befürchten, dass diese nächtlichen Aktivitäten der Menschen den Lebensraum der Wildtiere weiter einschränken.

Gibt es denn überhaupt so viele Skitourengänger, dass sie ein echtes Problem für Tiere sein können.

Maier: Schon - wir sprechen von 250000 bis 300000 Tourengängern allein in Deutschland, Tendenz steigend. Wenn jeder davon zehn Touren pro Saison unternimmt, sind dies zwei bis drei Millionen Skitouren im Jahr.

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