Kaufbeuren
«Moderne Wegelagerei»

Die zehn Meter von der Ampel für Autofahrer in der Kaufbeurer Josef-Landes-Straße bis zu der, für Fußgänger und Radler, an der Spittelmühlkreuzung kommen einen Kaufbeurer vermutlich teuer zu stehen. Er fuhr nämlich mit dem Rad an der Ampel für Autofahrer vorbei, trotzdem diese rot zeigte. Der Mann war der Meinung, dass die Ampel für ihn nicht gelte. Ein durchaus nachvollziehbares Gefühl, wenn man die Stelle in Augenschein nimmt.

Doch die Verkehrspolizei Kempten war anderer Meinung: Sie hielt den Mann an und konfrontierte ihn mit einer Videoaufzeichnung seines Vergehens. 100 Euro sollen den AZ-Leser und einen weiteren Radler das Delikt kosten. «Das ist moderne Wegelagerei», sagt der Leser. Schließlich gäbe es viel delikatere Stellen in Kaufbeuren, die einer strengen Verkehrsüberwachung bedürften. Im Prinzip sei das Bußgeld aber korrekt, erläutert Thomas Wegst, Verkehrssachbearbeiter der Kaufbeurer Polizeiinspektion. Radfahrer, die vom Plärrer kommen, müssen an der Autoampel vor der Kreuzung halten, wenn diese rot zeigt. Denn die Ampel steht rechts vom Radweg, gilt also für Radler genauso. Das verdeutliche auch der weiße Haltebalken auf dem Boden. Erst bei Grün dürfen Radler ein paar Meter weiter zur Fußgängerampel fahren.

Die rote Markierung auf dem Radweg habe hingegen keine rechtliche Wirkung, vielmehr sei sie nur eine Warnung für Autofahrer.

Das Szenario gelte für alle Radwege, die zur Spittelmühlkreuzung führen - ob mit oder ohne Bodenmarkierungen. Nach der Straßenverkehrsordnung müssen Radler sich an Ampeln genauso wie die übrigen Verkehrsteilnehmer verhalten. «Polizeikontrollen sind zwar unpopulär, aber unerlässlich. Die Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern sind in den vergangenen zehn Jahren um 44 Prozent gestiegen, weil diese Verkehrsvorschriften missachteten», erläutert der städtische Referatsleiter Dr. Gert Peter Strunk. Wer also als Radfahrer dennoch bei roter Ampel bis zur Fußgängerampel fahre, begehe einen «Rotlichtverstoß», so Wegst. Und das sei kein Kavaliersdelikt: 45 Euro kostet es für Radler, wenn keine Gefährdung anderer geschah.

Noch teurer wird es, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden (100 Euro) oder gar ein Unfall verursacht wurde (120 Euro). Bei den Delikten mit Gefährdung kommen noch vier Punkte in Flensburg und ein Monat Führerscheinentzug hinzu. Für Autofahrer gelten übrigens doppelte Bußgeldbeträge. Der Leser wiederum müsse 100 Euro berappen, weil er die rote Ampel überfuhr, obwohl das Rotlicht schon länger als eine Sekunde leuchtete. Deshalb sei von einem Vorsatz bei dem Vergehen auszugehen.

Strunk und Wegst weisen außerdem darauf hin, dass seit dem Umbau des Busbahnhofs die Verkehrsführung mit den Ampelanlagen an der Spittelmühlkreuzung penibel abgestimmt wurde.

Das Verständnis für den Radfahrer hält sich bei beiden in Grenzen: «Ich nehme gerne Vorschläge, die der Sicherheit dienen an, eine Änderung hier ist aber nicht sinnvoll», erklärt Strunk.

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