Buchloe
Mobilität bleibt größtes Problem

Unter dem Motto «Jetzt red i» hatte Maria Böck, die Behindertenbeauftragte der Stadt Buchloe, zu einem Meinungsaustausch in die Seniorenbegegnungsstätte eingeladen. Menschen mit Behinderung sollten sich zur Zukunft in Buchloe äußern, um diese Zukunft auch mitgestalten zu können.

Einführend meinte Böck, dass es eigentlich «Menschen mit kleinen Schwächen» sind, für die sich die Beauftragte einsetze. Wichtig sei vor allem das «nicht Ausgrenzen», die Integration ins normale Leben, denn man wolle «nicht immer unter sich» sein. «Dies funktioniert bei uns wunderbar, zum Beispiel bei den Sportstunden des VfL», sagte Böck.

Eine freundliche, offene Stadt

Bürgermeister Josef Schweinberger bekam gleich zu Beginn ein dickes Lob: «Die Stadt macht ihre Hausaufgaben gut», meinte ein Teilnehmer, der seit 40 Jahren im Rollstuhl sitzt. Die Leiterin der Offenen Behindertenarbeit des BRK, Renate Dantinger, nannte Buchloe eine «freundliche, offene Stadt». Sie mahnte aber auch «Hausaufgaben» an. So sei beispielsweise die Toilette am Immleplatz «für Behinderte nicht zumutbar».

1037 «amtlich registrierte» Schwerbehinderte, fast zehn Prozent der Bevölkerung, lebten mittlerweile in der Stadt, für diese müsse man die Voraussetzungen für eine gute Zukunft schaffen, sagte Dantinger.

Bürgermeister Schweinberger betonte, dass Behinderte keineswegs vergessen würden. Gerade bei Baumaßnahmen und Instandsetzungen werde immer auf Barrierefreiheit in den Gebäuden oder auf Gehwegabsenkungen geachtet. Das Problem sei einfach, dass man das früher «nicht überrissen hat». Zum Beispiel sei die Toilettenanlage am Immleplatz damals als «behindertenfreundlich» verkauft worden.

Laut Dantinger spreche man heute von «Inklusion», der Teilhabe aller Menschen an allen Dingen. Dass dieses «Miteinander leben» gerade in Buchloe mit vielen Regens-Wagner-Einrichtungen sehr gut gelungen ist, wurde lobend erwähnt. Bei den Wortmeldungen wurde allerdings auch klar, wo die wesentlichen Probleme liegen: in der Mobilität.

Hauptkritik an die Bahn

Die Hauptkritik ging hier an die Bahn. Manfred Hönig als Rollstuhlfahrer berichtete gar von «Horrorfahrten», bei denen man nie weiß, ob man tatsächlich auch aus dem Zug geholt wird. Dem Vernehmen nach seien in ganz Schwaben nur zwei Leute da, die den Mobilitäts-Service der Bahn bedienen. Bezüglich eines Einzelfalles, bei dem die Feuerwehr tätig wurde, meinte Schweinberger: «Es kann nicht sein, dass wir den Job der Bahn machen».

Nach Meinung von Erika Schindele aus dem Haus «Betreutes Wohnen» sind selbst innerörtliche Ziele für viele Bewohner schlichtweg nicht erreichbar. Möglichkeiten von Fahrdiensten oder einer städtischen Buslinie wurden daher diskutiert. Dies könne allerdings nicht Aufgabe der Stadt sein, so Schweinberger. Man sei gut in den öffentlichen Nahverkehr mit Niederflurbussen eingebunden. Prinzipiell gehe es bei Unterstützungen um einen «Nachteilsausgleich» und nicht um Vorteilsnahme, sagte Dantinger. Das bedeute letztlich, dass Gehbehinderte für Taxi oder Fahrdienst selbst voll aufkommen müssen, sofern sie nicht bedürftig sind; und auch darum, dass ehrenamtliche Helfer «nicht ausgenutzt» werden. Ein wenig erfreuliches Thema war: «Wo bleiben die Jungen, was haben wir zu bieten? Nichts», meinte dazu Maria Böck.

Es gehöre schon viel Mut dazu, als Behinderter in eine öffentliche Disco zu gehen. Hier würden wieder die Vereine Möglichkeiten bieten, dass «Jugend zur Jugend» kommt. Denn: «Wir sollen integrieren». Die Behindertenbeauftragte aus dem Unterallgäu, Marianne Mayer, schloss auch die junge Mutter mit Kinderwagen und den Verletzten in die Fürsorgepflicht ein. Insofern sei ein «Umdenken in unseren Köpfen» erforderlich.

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