Immenstadt
Mobbing: Die Grenzen sind oft fließend

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«Drei Jahre lang habe ich mein Taschengeld gegeben, um Süßigkeiten für meine Feinde zu kaufen»- ungeschminkt beschreibt das Zitat aus der aktuellen Ausgabe einer Jugendzeitschrift den unendlichen Leidensdruck eines Mobbingopfers. Damit eröffnete Moderator August Braun eine Podiumsdiskussion zum Thema «Mobbing in der Schule», die auf Initiative der Elternbeiräte von Knabenrealschule und Gymnasium Immenstadt organisiert worden war. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula beleuchteten Experten aus Psychologie und Pädagogik ein Problem, das Eltern und Lehrern offenbar gleichermaßen auf den Nägeln brennt.

Viel zu komplex sei das Thema, um Patenrezepte anzubieten, darin waren sich die Fachleute einig. Grenzen zwischen Rauferei und Mobbing seien für Außenstehende schwer erkennbar, es gebe keinen «klassischen Opfertyp» und Hilfe sei schwierig, weil Einmischung das Mobbing oft nur verschlimmere. Trotzdem legten sie Eltern und Lehrern ans Herz: Immer wieder hinschauen, zu Hause im Gespräch mit den Kindern bleiben und in der Schule entschieden durchgreifen, wenn Mobbing offensichtlich sei.

Das Internet als Mobbingforum

Antje Luxenhofer, Schulpsychologin und Lehrerin in Augsburg stellte die Problematik dar. Mobbing sei nicht neu, nur die «Qualität» hat sich geändert.

«Es wird nachgetreten, wenn die Nase schon blutet und die anderen schauen zu», sagte die Expertin, der es grundsätzlich an Zivilcourage in der Gesellschaft mangelt. Auch das Internet gewinne als Forum an Bedeutung, vor Publikum Mitschüler zu mobben.

Eva Hanel, Jugendsozialarbeiterin an der Hauptschule Immenstadt, schilderte die Gruppendynamik, den Mechanismus vom Nichthandeln und Schweigen der Mitschüler aus Angst, nicht selbst Opfer zu werden. Das soziale Lernen an den Schulen müsse gefördert, die Schüler aber auch mit ganz klaren Regeln und deren konsequenter Einhaltung konfrontiert werden. Lehrern empfahl sie, Mobbing-Fälle nicht in Klasse zu diskutieren, sondern Einzelgespräche zu führen und Täter

nicht als Personen kritisieren, sondern ihr Verhalten.

Mit Kindern, die sich vollkommen aus dem Sozialleben zurückgezogen haben, arbeitet Diplompädagogin Ines Kunert. Diese jungen Menschen müssten erst wieder lernen, «Ja» zu sich zu sagen. Tätern fehle oft das schlechte Gewissen. Erstaunlich sei, mit welcher Leichtigkeit frühere Opfer in das Lager der Täter wechselten. Seelisch schwer verletzte Kinder behandelt der Facharzt für Nervenheilkunde, Dr. Bernhard Winkler. Problematisch ist für ihn die Trennschärfe zwischen kleinen Gemeinheiten und echtem Mobbing. Auch bei Nickligkeiten empfiehlt er, hinzuschauen.

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