Mit vier Jobs 1600 Euro verdient

Lindau/Lindenberg | eka | 'Der Aufschwung erreicht unser Klientel nur, wenn die Menschen wieder eine anständig bezahlte Arbeit finden.' Das sagt Caritas-Geschäftsführer Harald Thomas. Bei gleichem Personalstand wie 1998 stapelt sich heute ein Drittel mehr Arbeit auf den Schreibtischen der Caritas-Beratungsmitarbeiter.

Das Caritas-Team, das seit Jahren 'am Limit' arbeitet, besteht neben ihm aus Barbara Göhl, Daniel Notz und Renate Schmid. Hinzu kommt für die allgemeine Verwaltung Evelin Kiss. Allein im vergangenen Jahr nahm ihre Arbeit um zehn Prozent zu. Die Besorgung finanzieller Mittel und die Verwaltungsarbeit werde immer aufwendiger, so Thomas.

Auch im Kreis Lindau gehe es für Hartz-IV-Empfänger immer weiter abwärts, sagt er. Es gebe voll erwerbstätige Familienväter, die 40 Stunden arbeiten und trotzdem staatliche Hilfen beantragen müssen. 'Wenn die Leute sich von ihrer Arbeit nicht mehr ernähren können, dann stimmt was nicht mehr', denkt Thomas laut nach. Er erzählt aus seiner täglichen Arbeit, dass es im Landkreis Lindau Familien gibt, die mit vier zusammengewürfelten Jobs im Monat insgesamt nur 1600 Euro verdienen.

Mehr Frauen gehen auf Kur

Doch die Caritas setzt der wach-senden Not die Hilfe entgegen: Jede Woche kaufen beispielsweise über 200 Kunden im Tafelladen ein, wo es Lebensmittel zu niedrigen Preisen gibt. Das waren 10 000 Einkäufe im letzten Jahr. Das von Thomas aufgebaute Tafel-Netzwerk, das von Singen bis Wangen und ins Montafon reicht, sorgt für ein vielfältiges Warenangebot und optimale Verteilung größerer Warenmengen.

In der Sozialberatung hätten sich die Zahlen auf das Rekordniveau des Vorjahres eingependelt, berichtet Harald Thomas. Ein erneuter Anstieg sei nicht zuletzt durch die spürbare Erleichterung, die der Einkauf im Lindauer Tafelladen für viele Hilfesuchende mit sich bringe, gebremst worden. Der samstägliche Caritas-Mittagstisch in Lindenberg boomt, der in Lindau könnte mehr Resonanz vertragen, sagt Harald Thomas.

Zur gemeindeorientierten Sozialarbeit fügt der Geschäftsführer an: 'Ohne Miteinander und die Unterstützung durch die Pfarreien, beispielsweise mit den Frühjahrs- und Herbstsammlungen, wird es in Zukunft nicht gelingen, vor Ort die qualitativ hochwertigen Beratungsangebote aufrechtzuerhalten.' Ein weiteres Angebot der Caritas: Die Kurberatung mit dem ganzheitliche Konzept der 'therapeutischen Kette' (Beratung, Kurmaßnahme, Nachsorgegruppe). Sie biete Frauen in belastenden Situationen eine effektive Hilfe, so Thomas. Die hohe Qualität der Beratungsarbeit sei bei Ärzten und Krankenkassen gleichermaßen anerkannt und habe zu einer stark gestiegenen Zahl von Beratungen und Kurvermittlungen geführt.

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