Buchloe
Mit Schwung ins neue Jahr

Neujahrskonzerte - zumeist mit Musik aus dem Umfeld von Johann Strauß - sind inzwischen vielerorts Tradition geworden. In Wien spielen die Philharmoniker, in Kempten die Münchener Symphoniker und in Buchloe wurde inzwischen zum wiederholten Mal das Musikkorps der Bayerischen Polizei in der VfL-Turnhalle begrüßt. Allerdings hätte man dem Orchester bei der Qualität der Darbietungen ein größeres Publikum gewünscht, zumal kein Eintritt verlangt wurde und der Spendenerlös zu gleichen Teilen der Jugendarbeit des VfL, der Musikschule und der Stadtkapelle zugutekommt.

Chefdirigent Johann Mösenbichler hatte zwei Eröffnungsmusiken von Johann Strauß an den Anfang gesetzt: den Aufzugsmarsch aus «Eine Nacht in Venedig» und die Ouvertüre zu «Der Zigeunerbaron», die zu den kunstvollsten Stücken des Walzerkönigs gehört. Sehr feinfühlig brachten Dirigent und Orchester die ungarische Atmosphäre dieser Operette in den Saal.

Mit warmem Timbre und höhenfest präsentierte sich Sopranistin Kerstin Möseneder. Expressiv gestaltete sie die Giuditta-Arie «Meine Lippen, die küssen so heiß» von Franz Lehár. Auch Tenor Martin Kiener stieg mit einer Lehár-Nummer ins Programm ein: Mit lyrischem Schmelz sang er das Bekenntnis des Paganini «Gern hab ich die Fraun geküsst». Mösenbichler stellte in der Begleitung die oft süßliche Harmonik Lehárs besonders heraus, sodass man merkte, weshalb dieser Komponist gerne der «Pucini des kleinen Mannes» genannt wird.

Dass sein Dirigat bei der Strauß-Schnellpolka «Unter Donner und Blitz» nicht frei von Show-Einlagen war, mag man ihm bei diesem effektvollen Stück nachsehen.

Als dritter Solist trat Thomas Schechinger auf, in erster Linie Bassklarinettist des Orchesters. Im Konzertwalzer «Geschichten aus dem Wienerwald» zeigte er mit wunderbarem agogischen Feingefühl seine Künste auf der Zither. Um eine Zugabe kam er nicht herum. Das weltweit wohl bekannteste Zither-Thema «Der dritte Mann» garnierte er mit einigen fremden Themen wie «Du, du liegst mir im Herzen» und «Im Prater blühn wieder die Bäume».

Etwas moderner wurde es im zweiten Teil, sowohl thematisch als auch von der Entstehungszeit der Stücke. Mit den Schnellpolkas «Electrisch» und «Bahn frei» zeigte man, dass der Strauß-Bruder Eduard sich schon früh von modernen Verkehrsmitteln hat inspirieren lassen. Zwei Nummern aus «My Fair Lady» aus der Feder des gebürtigen Berliners Frederick Loewe erklangen in akzentfreiem Englisch, bevor beide Sänger als Krönung des Abends ein äußerst gelungenes Potpourri mit den schönsten Melodien aus Leonard Bernsteins «West Side Story» interpretierten.

Die verbindenden Worte sprach Oboistin Christiane Jungbauer. Mit ihren mal seriösen, mal launigen Beiträgen traf sie stets den rechten Ton.

Als Zugaben erklangen das Duett «Komm mit nach Varazdin» aus der Operette «Gräfin Marinza» und der Radetzky-Marsch, in dem Mösenbichler es sich nicht nehmen ließ, nach bester Wiener Neujahrstradition das klatschende Publikum zeitweise zu dirigieren.

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