Mit Prüfung eine Untreue verhindern

Oberallgäu/Kempten (uw). - Krumme Touren in der Kasse sind gewiss nicht alltäglich, aber auch nicht ausgeschlossen. Das zeigen jetzt wie berichtet die Fälle beim CSU-Ortsverband Immenstadt und der Verwaltung Fischen. In den letzten Jahren gerieten in der Region unter anderen ein Vereinsvorsitzender und ein Bankangestellter ins Visier der Justiz. Firmen schützen sich vor Veruntreuung und Betrug mit professionellen Prüfungen. Bei Vereinen machen das meist Ehrenamtliche. Auch sie können Missbrauch entgegenwirken. 'Regelmäßige Kontrollen sind die Grundlage', sagt Werner Aichele. Als Vorstandsmitglied der Volksbank Immenstadt und zugleich Vereinskassier kennt er beide Seiten und weiß: Kassenprüfungen sind eine Gratwanderung. Schließlich wolle man nicht unnötig Misstrauen sähen. In den allermeisten Fällen würden Vereinskassen ordentlich geführt. Probleme gebe es nur bei einem verschwindend geringen Anteil, bestätigt Sonthofens Polizeichef Karl Zirngibl. Neben der offiziellen Kassenprüfung sollte auch der Vorsitzende oder ein Vorstandsmitglied unterm Jahr Kontostände und Umsätze begutachten, rät Aichele. Zum einen könnten Kassenprüfer nicht immer wissen, welche größere Rechnungen anfielen, zum anderen könnte sich ein Betrüger 'nur' Geld leihen: Im Frühjahr eine große Summe abheben und im Herbst aufs Konto einzahlen - so würde ein Verein um Zinsen betrogen. Auch der Kassier muss laut Aichele mitdenken, damit ihm nicht falsche Rechnungen untergejubelt würden: 'Grundsätzlich gilt, keine Buchung ohne Beleg.'

Richtlinien vom Verein selbst Tipps zur sicheren Kassenprüfung gibt Wirtschaftsprüfer Michael Herz von der Kanzlei Kayser, Herz und Kollegen in Kempten. Wichtig sei ein internes Kontrollsystem: Beim Vier-Augen-Prinzip dürfe ein Kassier nicht selbst die Zahlungsanweisungen geben. Ausgaben müssten andere Vorstandsmitglieder verfügen und abzeichnen. Zusätzlich möglich wäre, ab einer bestimmten Betragshöhe zwei Unterschriften. Entsprechende Richtlinien zur Kassenführung und -prüfung könne ein Verein oder Vorstand selbst erlassen. Eine Kassenprüfung umfasst laut Herz den gesamten Zahlungsverkehr - und das in zwei Schritten: 1. Bestandsprüfung: Zum Schluss des Rechnungsjahres vergleichen Prüfer zu einem Stichtag die Kassen- und Kontostände mit Buchführung und Bankauszügen. Das Bargeld lässt sich der Prüfer vom Kassier vorzählen, ohne es selbst in die Hand zu nehmen. Protokoll unterschreiben Kassier und Prüfer. 2. Zahlungsverkehrsprüfung: Belege werden nach Zufallsprinzip oder systematischen Stichproben (zum Beispiel Betragsgröße, bestimmte Perioden, wiederkehrende Beträge, Ein- und Auszahlungen in gleicher Höhe) geprüft. Dabei sind Zahlungsgrund und Betragshöhe auf Plausibilität zu untersuchen; Veränderungen auf Belegen ist immer nachzugehen. Wichtig sind Originalbelege. Zudem muss die Ausgaben der jeweils Anweisungsberechtigte abgezeichnet haben. Periodische Zahlungen werden auf Vollständigkeit geprüft - etwa ob die monatliche Miete auch zwölfmal bezahlt wurde. Gibt es Fragen, die der Kassier erst klären muss, sei diesen unbedingt nachzugehen, betont Herz. Die Prüfer sollten ihre Arbeit und das Ergebnis mit Nachweisen dokumentieren und in einem Protokoll zusammenfassen.

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