Kaufbeuren
Mit Humor durch so manches Tief

Als sie die Heimat-Vertreibung 1946 ins thüringische Herbsleben verschlug, ahnte die gebürtige Grünwalderin Käthe noch nicht, dass das Schicksal hier einen Trumpf für sie bereithielt. Denn dem Herbslebener Heinz Schmidt stach das hübsche junge Mädchen sofort ins Auge, als sie ihre Freundin mit in den Turnverein begleitete. Auf einer Silvesterfeier machte der humorvolle Thüringer Nägel mit Köpfen und sprach die junge Frau kurzerhand an. Das Ergebnis des Abends: «Sie musste meine Zeche auslösen», gibt er schmunzelnd zu. «Das Geld krieg ich heute noch zurück», fügt sie schlagfertig an.

Gern gesehen war die Liebe zwischen dem Flüchtlingsmädchen und dem Herbslebener nicht im Ort und auch nicht in Heinz´ Großfamilie. So hielt das Paar seine Hochzeit am 3. Dezember 1949 auch geheim. Den Start in eine glückliche Ehe erschwerte den beiden Käthe Schmidts schwere Lungenerkrankung, an der sie die ersten Jahre litt. Trotz gesundheitlich starker Einschränkungen nahm das Paar 1952 die Gefahren einer heimlichen Republikflucht auf sich. «Am Vatertag ging es los», erinnert sich Heinz Schmidt. Obwohl sie von der «Westpolizei» ertappt wurden, konnten sie ihr Ziel erreichen: «Meine Eltern hatten schon vorher rübergemacht - nach Neugablonz», so Käthe Schmidt. Hier kam das Ehepaar dann auch samt «mitgeflohener» Katze die nächsten Jahre unter. Während Käthe Schmidt in der Gablonzer Industrie arbeitete, fand ihr Mann Heinz als gelernter Maurer eine Anstellung in einer Baufirma.

Sogar an dem Hochhaus, in dem beide nun im Haken wohnen, hat er seinerzeit bereits mitgebaut.

Im Westen glücklich

Mit dem neuen Leben im Westen glücklich, fehlte beiden jedoch eins ganz deutlich: der Nachwuchs. «Wegen meiner kranken Lunge rieten die Ärzte eigentlich ab», so Käthe Schmidt. Das Paar wagte es trotzdem und bekam eine Tochter. «Seitdem ist auch meine Lunge wieder in Ordnung.» Viele Jahre übernahm sie zusätzlich zum Familienleben die Pflege ihrer bettlägerigen Mutter. Während Käthe Schmidt zuhause die Zügel in der Hand hielt, war Heinz Schmidt viel auswärts auf Montage. «Wir haben dann aber jeden Abend telefoniert» erklären beide ihre Verbundenheit.

So harmonisch sie miteinander wirken, so unterschiedlich sind ihre Interessen. «Ich bin immer gerne raus und zum Tanzen gegangen», erklärt er. «Ich dagegen bin noch nie so gerne unter vielen Leuten gewesen», gesteht sie. Dennoch verbindet beide seit jeher eine unverkennbare Leidenschaft - ihr Humor. Dank dem haben sie so manche Durststrecke gemeinsam überwunden. «Man darf den Kopf nie hängen lassen», so die Devise der beiden 81-Jährigen. Obwohl Käthe Schmidt für das gesellige Feiern nicht so schnell zu gewinnen ist, freut sie sich auf das Fest anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit.

Denn dabei sind mit Sicherheit auch ihre zwei Enkelinnen und vier Urenkel mit von der Partie.

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