Nesselwang
Mit gut 300 PS über die steile Piste

«Wie groß? Wie schwer? Wie teuer?» Es sind fast immer dieselben Fragen, die Thomas Gschwend zu hören bekommt, wenn ein Copilot im futuristischen Cockpit seiner silberglänzenden High-Tech-Maschine Platz genommen hat. Die ist als Renngerät übrigens kaum geeignet: Trotz mehr als 300 PS ist sie mit höchstens 20 Kilometern pro Stunde unterwegs. Aber das auf einer spektakulären Strecke: den Skipisten an der Nesselwanger Alpspitze. Gschwends Ehrgeiz gilt dort allein dem Ziel, eine perfekte Piste zu formen. So eine, wie er sie selbst am Morgen als Skifahrer am liebsten vorfindet. Ständig hat er deshalb die Hand am Joystick, um das Schild seiner Maschine zu steuern und im weißen Kleid die letzten Falten auszubügeln.

Gschwend ist einer der sieben Pistenraupenfahrer in Diensten der Alpspitzbahn, die seit dieser Saison einen «Nebenjob» haben: Passagiere kutschieren. Ganz neu ist ihm das freilich nicht: Auch er hat früher schon mal Bekannte und Verwandte mit an Bord genommen. Dass seine Raupenfahrer immer seltener alleine unterwegs waren, fiel auch dem Geschäftsführer der Alpspitzbahn, Ralf Speck, auf. «Ich dachte, da kann man doch was draus machen», erzählt er.

Eine Marktlücke

Statt einzelne Fahrten übers Internet zu versteigern, was er seinen Fahrern zunächst spontan als Scherz ankündigte, wurde daraus ein reguläres Angebot. Eines, das anscheinend in eine Marktlücke stieß. Drei bis vier Anmeldungen nehme die Bahn derzeit pro Tag entgegen, so Speck. Anfragen gebe es auch schon für Februar und März. «Vorsicht, Spaß-Gefahr», heißt es im Infoblatt der Alpspitzbahn.

Spaß scheinen vor allem Technik-Freaks an der Tour zu haben. Das können Gschwend und seine Kollegen nicht nur daran ablesen, dass sie ständig nach technischen Details gefragt werden, sondern auch daran, dass die Männer unter ihren Passagieren deutlich in der Überzahl sind. Gschwend jedenfalls hatte bislang noch keinen weiblichen Fahrgast. Dafür schon mehrere Buben, bei denen die Raupenfahrt quasi unterm Christbaum lag. So wie bei dem jungen Mann aus Bad Wörishofen, den Gschwend neulich an Bord hatte. Der wollte schon im Winterurlaub immer mit der Pistenraupe mitfahren. Die dortigen Fahrer lehnten das jedoch ab. Aber auch für Naturfreunde hat die langsame Fahrt über steile Berghänge, vorbei an verschneiten Fichten, ihre Reize. Füchse und auch so mancher Hase sind Gschwend schon begegnet.

Und wenn die Luft klar ist, ist der Talblick grandios. Bis Kempten und Marktoberdorf reicht bei der Talfahrt die Sicht aus dem warmen Cockpit.

Seit zehn Jahren ist Gschwend im Dienste der Pistenpflege im Einsatz. Der frühere Betriebsleiter der Alpspitzbahn hatte ihn dazu überredet, weil er in seinem Hauptberuf als Lkw-Fahrer einer Baufirma im Winter Kapazitäten freihatte. Dass sein Einsatz bis in den frühen Morgen dauert, bereitet Gschwend keine Probleme. «Ich bin gelernter Bäcker», erzählt er: «Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit aufstehen.»

Ach ja: die Pistenraupen sind 7,5 bis 8 Tonnen schwer, ziehen eine Spur von 4,5 Metern Breite und kosten rund 300000 Euro.

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