Kaufbeuren / Ostallgäu
«Mit Geschäftsmodell bestätigt»

Es vergeht kein Tag, an dem die Banken und die Banker nicht öffentlich beschimpft werden. Sie gelten als die Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mal ist es eine Kreditklemme, mal sind es Pannen mit den Geldkarten, die Kunden und Politiker erzürnen. Kurz: Kreditinstitute geben derzeit kein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab. Wir sprachen darüber mit dem Vorstandssprecher der VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu, Dr. Hermann Starnecker.

Herr Starnecker, leiden Sie selbst unter dem Image der Banken?

Starnecker: Das öffentlich wahrgenommene Image ist tatsächlich nicht besonders gut. Eine Untersuchung des Genossenschaftsverbandes Bayern zeigt allerdings, dass die individuellen Erfahrungen der Kunden sich deutlich von der öffentlichen Darstellung unterscheiden. Von allen untersuchten Kreditinstituten schneiden die Volks- und Raiffeisenbanken mit Abstand am besten ab. Dennoch stört mich und unsere Mitarbeiter das Image sehr, denn wir üben unseren Beruf gerne aus. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

Starnecker: Wir leiden alle darunter. Mit den Mitarbeitern gab es darüber auch bereits Gespräche, auch um ihnen das Gefühl zu geben: Es sind die anderen Banken, die gemeint sind.

Fühlen Sie sich denn nicht angesprochen, wenn sogar der Bundespräsident den Banken vorwirft, sie hätten nichts aus der Krise gelernt?

Starnecker: Nein, ganz im Gegenteil. Wir fühlen uns in unserem Geschäftsmodell bestätigt. Es gab und gibt bei uns keine Kreditverkäufe, keine giftigen Wertpapiere, keine Banker-Boni. Das können wir alles abhaken. Wir sind unseren Mitgliedern und Kunden in der Region verpflichtet. Natürlich könnten wir aus der Bank noch ein paar Zehntel Rendite rausholen, aber das ginge zulasten der Mitarbeiter und Kunden. Da bekomme ich klare Aussagen unserer Mitglieder. Ihnen ist es wichtig, dass Arbeitsplätze da sind und die Unternehmen vor Ort mit Krediten versorgt werden.

Eine Panne betrifft die Geldkarten, deren Chips teilweise beim Geldabhaben oder bargeldlosen Bezahlung versagen. Verbraucherschützer werfen den Banken Verzögerungen bei der Information vor.

Starnecker: Wir sind als Bank ebenso betroffen wie unsere Kunden, von denen allerdings nur sehr wenige von Problemen berichtet hatten. Es sind meines Wissens keine zehn Betroffene. Es handelt sich um eine Panne des Chipkartenherstellers, die wir auf die Schnelle nicht beheben konnten. Alle Kunden wurden umgehend informiert, als wir von dem Problem erfuhren. Betroffenen wurde und wird natürlich sofort geholfen.

Sind Sie bei Kreditvergaben vorsichtiger geworden?

Starnecker: Der Mittelstand wird bei uns mit Krediten versorgt wie in der Zeit vor der Krise. Die Kreditsumme ist 2009 sogar gestiegen, nicht nur bei den Genossenschaftsbanken im bayernweiten Durchschnitt, sondern auch in unserem Haus. Das hat zwei Gründe: Zum einen haben sich andere Banken aus diesem Bereich zurückgezogen, zum anderen engagieren wir uns stark im Bereich erneuerbare Energien. Sie sind mittlerweile die viertgrößte Genossenschaftsbank in Schwaben. Wollen Sie größer werden, steht eine weitere Bankenhochzeit im Ostallgäu an?

Starnecker: Wir wollen wachsen. Wenn mögliche Partner sagen, wir wollen mit der VR-Bank gemeinsam in die Zukunft gehen, stehen wir für Gespräche zur Verfügung. Derzeit gibt es aber keine konkreten Pläne.

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