Mit dem Landwirtschaftsminister im Stall

Marktoberdorf (jth). - So lieben Marco und Kevin Unterricht: Am heutigen Vormittag müssen die Drittklässler nicht im stickigen Klassenzimmer Folien abschreiben oder Grundrechenarten üben. Statt dessen schnuppern sie Landluft - im Stall des Marktoberdorfer Bauern Christian Fichtel. Ferienstimmung kommt bei den beiden dennoch nicht auf. Denn mit Bleistift und Block arbeiten sich die zwei mit ihren Klassenkameraden und Lehrer Jörg Schneider vom Stall bis in die Scheune durch. Was frisst eine Kuh? Wieviel Wasser trinkt sie? Das sind nur einige Fragen, welche die beiden beantworten müssen. 'Super', findet Marco das. 'Mal was anderes.' Eingeladen sind Schüler und Lehrer im Rahmen des Projekts 'Schule auf dem Bauernhof', das Landwirtschaftsminister Josef Miller in Anwesenheit von Politikern, Lehrern und Landwirten auf dem Hof von Familie Fichtel präsentiert. Was an diesem Tag Unterrichts-Inhalt in der Klasse 3c ist, werden im kommenden Schuljahr wohl die meisten der Dritt- und Viertklässler im Ostallgäu und in der Stadt Kaufbeuren erleben. Der Landkreis und die kreisfreie Stadt sind als einzige Region in Bayern ausgewählt worden, um das Pilotprojekt 'Schule auf dem Bauernhof' zu testen.

Hautnah Tieren begegnen Die Ziele dieses vom Bayerischen Bauernverband und dem EU-Programm 'Leader Plus' geförderten Projekts erläutert Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller (Memmingen) in der Scheune des Betriebs von Christian Fichtel: Grundschüler der dritten und vierten Klasse sollen über Zusammenhänge bäuerlicher Kultur und über die Produktion von Lebensmitteln auf dem Bauernhof informiert werden. Um sich dieses Wissen anzueignen, sollen sich Acht- bis Zehnjährige im Unterricht mit Natur und Landwirtschaft beschäftigen und dabei auch hautnah Tieren und Pflanzen begegnen. Warum so ein Pilotprojekt sinnvoll ist, erklärt Miller in seiner Rede. Untersuchungen an einer deutschen Universität hätten ergeben, dass vor allem bei Kindern 'große Wissenslücken über Landwirtschaft, Natur und Umwelt bestehen'. In diesem Pilotprojekt kann nach Millers Worten das Wissen über den Wert der Landwirtschaft vertieft werden. Der Minister zeigt sich erfreut, dass das 'Pilotprojekt mit Beispielcharakter' vom Bayerischen Bauernverband (BBV) Ostallgäu und dem Landwirtschaftsamt Kaufbeuren initiiert worden ist. Das Projekt, das auch mit Hilfe des Landkreises und des staatlichen Schulamts realisiert wurde, bezeichnet Miller als 'Pionierarbeit'. Künftig könnten Lehrer das Nachschlagewerk zur Vor- und Nachbereitung eines Besuchs auf dem Bauernhof nutzen. Und Landwirten hilft es bei der Durchführung von Besichtigungen auf ihren Höfen. In das gleiche Horn wie Staatsminister Miller stößt auch Schulamts-Leiter Karl Happ. 'Der Unterricht lässt Raum, sich auf Menschen, Tiere und Pflanzen einzulassen.' Daher begrüße er diese Projekt. Seinen Worten zufolge können durch Unterrichts-Besuche in Bauernhöfen viele Grundwerte vermittelt werden. Etwa die Liebe zur Natur oder die Verantwortung der Menschen gegenüber Tieren. In der modernen Gesellschaft sei es wichtig, dass junge Menschen auch Erfahrungen mit Tieren sammeln. 'Wie viele Kinder haben heutzutage schon eine Kuh gestreichelt?' Genauso wie Happ hält auch Landrat Johann Fleschhut das Projekt für 'sehr sinnvoll'. Er geht sogar noch weiter: Nicht nur von Kindern, sondern auch von manchen Erwachsenen wünsche er sich, dass sie über die Zusammenhänge der bäuerlichen Arbeitswelt 'einiges dazulernen'. Kreisbäuerin Maria Haußer sieht in dem Projekt auch den Vorteil, dass sich der Ruf der Landwirtschaft in der Bevölkerung bessern könnte. Voraussetzung sei, dass sich die jungen Menschen selbst ein Bild davon machen, wie es hinter Stalltüren aussieht. (siehe auch Allgäu Rundschau)

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