Lindau
Mit Bierglas zugeschlagen

Richtig eingeschätzt hatte Richterin Ursula Richter einen Zeugen, der sich selbst einer Tat auf dem Heiberfest in Bösenreutin bezichtigt hatte: Sein Geständnis war offenbar erlogen. Nach Erkenntnissen des Amtsgerichts nach zwei Verhandlungstagen hat hat ein anderer Mann beim dem Fest einem 25-jährigen Westallgäuer ein Bierglas auf den Kopf geschlagen. Dafür erhielt er nach einem Geständnis eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt wurde.

Die knappe Woche zwischen den beiden Verhandlungstagen hatten sowohl der aus Berlin angereiste Zeuge als auch der 30-jährige Angeklagte genutzt, um ihre Aussagen zu überdenken. Der Angeklagte hatte zu Beginn der Verhandlung ausgesagt, dem Bruder seiner Freundin zu Hilfe geeilt zu sein, der auf dem Heiberfest von Neonazis angegriffen worden sei. Mit der Bierglas-Attacke habe er nichts zu tun. Die gestand der Bruder der Freundin, der eigentlich nur Zeuge sein sollte. Ob er damit seinen künftigen Schwager schützen oder letztlich auf Notwehr plädieren wollte, blieb offen. Denn zu Beginn des zweiten Verhandlungstages widerrief er seine Aussage und berief sich anschließend auf sein Recht der Aussageverweigerung, da er sich möglicherweise selbst belaste.

«Stark betrunken»

Der Angeklagte ließ nun ein umfassendes Geständnis folgen: Er sei es gewesen, der im Laufe des Handgemenges ein Bierglas auf dem Kopf des Opfers zerschlagen habe. Stark betrunken sei er gewesen und dem Bruder seiner Freundin habe er zur Seite stehen wollen. Aus Angst vor den Konsequenzen habe er zunächst falsch ausgesagt.

Im Hinterkopf hatte der dabei auch seine Vorstrafen. Schon zweimal war er nach Schlägereien auf Festen verurteilt worden. Und diesmal sah er sich gleich zwei Anklagen gegenüber: Neben der Bierglas-Attacke auf dem Heiberfest in Bösenreutin wurde ihm auch eine Schlägerei beim Nachtsprung in Oberreitnau zur Last gelegt. Dieses Verfahren wurde am zweiten Verhandlungstag eingestellt, nachdem sich keine Zeugen fanden, die den Ablauf dieser Ereignisse klären konnten.

«Auffälliges Gewaltpotenzial»

Dennoch sah Richterin Ursula Richter ein «auffälliges Gewaltpotenzial» beim Angeklagten, der auf sie vor Gericht einen guten Eindruck machte: «Haben Sie ein Partyproblem?». Der Angeklagte räumte ein, dass er sich im angetrunkenen Zustand schneller provozieren lasse.

Gefährliche Körperverletzung

Der Staatsanwalt wertete das späte Geständnis zugunsten des Angeklagten und forderte eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro. Sein Anwalt hob die gefestigte Lebensführung des Angeklagten hervor. Verurteilt wurde der 30-Jährige schließlich aufgrund einer gefährlichen Körperverletzung zu zehn Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 1300 Euro. Als Bewährungsauflage erhielt er die Verpflichtung, ein Anti-Aggressionstraining zu besuchen.

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