Memmingen
Mit acht Jahren an die Universität

Kein Hörsaal, keine Hausaufgaben, keine Vorlesungen: In Memmingen hat am Wochenende eine Universität der besonderen Art ihre Pforten geöffnet - die «Kinder-Uni für Nachhaltigkeit» (Kunina). Am Eröffnungsabend sprach unter anderem der Hirnforscher Professor Dr. Joachim Bauer. Sein Thema: Nervenzellen im Gehirn, die sich beim Beobachten selbstständig machen und so beim Lernen helfen.

«Wir hatten vor einem Jahr die Idee, eine neuartige Bildungseinrichtung zu schaffen», blickte Matthias Klein, Vorsitzender des Vereins Kunina, zurück. Das Kernteam von Kunina bilden acht Personen aus Bereichen wie Erwachsenenbildung, Unternehmensberatung, Architektur und Personalentwicklung. «Die Wirtschaftskrise war gerade aktuell, und unsere Überlegung war, dass es nicht an Wissen fehlt, sondern an tieferem Verständnis für die Vernetzung der Welt.» Dieses will die Kunina bei ihren acht- bis 15-jährigen Studenten fördern - ebenso wie soziale Fähigkeiten. Unter vier Nachmittagen wählen die Kinder laut Klein einen als wöchentlichen Termin. Das Studium, das die Fächer Ökologie, Ökonomie, Politik und Gesellschaft beinhalte, sei auf vier Semester, also zwei Jahre, angelegt. «Das läuft aber nicht so ab, dass einer vorn steht und redet», sagte Klein.

Vielmehr werde das Wissen durch Projektaufgaben vermittelt, welche die altersgemischten Gruppen aus 15 Studenten bewältigen müssten. Dabei steht ihnen laut Kernteam-Mitglied Mandy Mittank (Referentin für Personalentwicklung bei Rohde und Schwarz Memmingen) ein Themenbegleiter zur Seite, der das Fachwissen beisteuere. Zudem unterstütze ein Prozessbegleiter die Teamarbeit und die Teilnehmer - und somit den persönlichen und sozialen Aspekt.

Weitere Besonderheit: Die Kunina steht jedem Kind offen - egal, welche Schule es besucht. Als Dozenten sind Mitglieder des Kunina-Teams und Externe ehrenamtlich tätig.

Über Empathie (Einfühlungsgabe für Gefühle anderer) und Lernen sprachen am Eröffnungsabend Dr. Christoph Hackspiel (Geschäftsführer der Vorarlberger Kinderdörfer) und Verena Dörler (Leiterin des Dorfs in Bregenz) ebenso wie Jürgen Jussel (Personalleiter eines österreichischen Bauunternehmens) und Guido Schnarwiler (Leiter der Personalentwicklung der Centralschweizerischen Kraftwerke). Sie setzen als Methode der Führungskräfteentwicklung auf Projektarbeit mit Kindern.

Professor Dr. Joachim Bauer beantwortete die Frage: Warum sind Gähnen und Lachen ansteckend? Grund dafür seien Nervenzellen im Gehirn, die Spiegelneuronen.

«Wenn sie in einem Film sehen, wie ein Gitarrist die Saiten zupft, dann werden Nervenzellen aktiv, die für Bewegungen der Hand zuständig sind - obwohl sie gar nichts tun», sagte Bauer, der unter anderem Professor am Uniklinikum Freiburg ist.

Dasselbe gelte für beobachtete Gefühlsregung. «Für das Lernen ist es sehr bedeutsam, dass jemand als Vorbild dient. 90 Prozent dessen, was Kinder lernen, begreifen sie durch Zuschauen.» Spiegelneuronen gebe es in verschiedenen Gehirnregionen: «Wir handeln also gewissermaßen mit, wenn wir jemanden handeln sehen, und fühlen mit, wenn wir zum Beispiel Schmerz sehen.»

Beim «Tag der offenen Tür» am Samstag informierten sich laut Klein rund 100 Besucher über das Angebot der Kunina.

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