Kempten
Minarett «langfristig wünschenswert»

In der Schweiz sagte eine Mehrheit Nein zum Bau von Minaretten, sprich von Türmen an Moscheen. In Kempten ist ein Minarettbau in der Füssener Straße «derzeit kein Thema, aber langfristig wünschenswert», sagt Necati Keleser. Der Vorstandsvorsitzende des islamischen Kulturvereins Kempten betont allerdings, dass so eine Entscheidung «nur im Dialog mit der Stadt und ihren Bürgern» getroffen werden dürfe, keinesfalls über deren Köpfe hinweg. Ähnlich positiv, wie es kürzlich in Marktoberdorf geschehen ist.

Gegen das dortige Bauvorhaben eines Minaretts regte sich in der Bevölkerung keinerlei Protest. Sogar der Bauausschuss befürwortete das Projekt einstimmig. «In Marktoberdorf läuft das dank des guten Dialogs miteinander sehr gut über die Bühne», findet Fikret Yalcinkaya, Pressesprecher des Dachverbands Türkischer Vereine in Kempten (DTVK). Sollten die Mitglieder der Kemptener Moschee eines Tages den Wunsch für den Minarett-Bau äußern - das sei seines Wissen momentan aber nicht der Fall - müsse darüber ebenfalls nur im Dialog mit der Stadt und ihren Bürgern gemeinsam entschieden werden. Yalcinkaya: «Ein Minarett ist aktuell kein Thema für Kempten.»

Aufgrund des Umbaus der Moschee in der Füssener Straße (wir berichteten) hatte man genug um die Ohren, unterstreicht Necati Keleser vom Kulturverein. An ein Minarett sei derzeit schon allein aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Viel wichtiger als der Bau eines Turms ist für Fikret Yalcinkaya vom DTVK, den Dialog mit Mitmenschen, interkulturelle Beziehungen und Integration zu fördern.

«Bestmögliches Miteinander»

Muslimische Frauen der Moschee hätten sich laut Yalcinkaya beispielsweise bereits mit dem Katholischen Frauenbund getroffen und wollten das weiterhin tun. Jedes Jahr zum Fastenbrechen oder zum Tag der offenen Moschee (3. Oktober) lade man Bürger und Stadträte in die Moschee ein, um sich intensiver kennenzulernen und zu diskutieren. Der DTV fördere, dass sich türkische Jugendliche ehrenamtlich engagieren. «Wir wollen das bestmögliche Miteinander schaffen», so Yalcinkaya.

«Man besucht sich gegenseitig, feiert zusammen Feste - das war ein unkompliziertes Nebeneinander», erinnert sich Dr. Volker Pröbstl, der bis vor kurzem Pfarrer der evangelischen Matthäusgemeinde in Kempten war. Für Pfarrer Aleksander Gajewski von der katholischen Pfarrei St. Ulrich gibt es mit den Moschee-Mitgliedern «viele Berührungspunkte und ein gutes, friedliches Miteinander». Von «intensiver Zusammenarbeit» will er aber noch nicht sprechen. Die gebe es allerdings in Kindergärten. «Unsere religionspädagogische Arbeit funktioniert gut, weil wir die Bedürfnisse aller berücksichtigen», so Johanna Ege, stellvertretende Leiterin des Oberlinhauses. In den Kindergarten gehen Kinder vieler Nationen und Religionen. Deren Eltern akzeptieren das kirchlich geprägte Konzept.

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