Memmingen
Meisterhafter Monolog eines Kontrabassisten

Auftrittsapplaus erschallt, als sich Andreas Lichtenberger in der Christuskirche zu den Musikern nach vorne begibt. «Ungewöhnlich, dass ein Künstler bejubelt wird, bevor er überhaupt etwas geleistet hat», stellt er selbst fest. Aber sein Auftritt an diesem Tag ist auch kein gewöhnlicher: Der erfolgreiche Musicaldarsteller und Schauspieler ist - wie schon im vergangenen Jahr - mit dem Kontrabass-Ensemble «Bassiona Amorosa» in seiner Heimatstadt Memmingen zu Gast. Mitgebracht haben sie wieder ein außergewöhnliches und unterhaltsames Programm, in dessen Mittelpunkt der vor allem der Kontrabass, aber auch seine kleine Schwester, die Geige, stehen.

Mit letzterer löst der serbische Professor für Violine, Jovan Bogosavljrvic, der das Ensemble in diesem Jahr bereichert, große Begeisterung beim Publikum aus. Lichtenberger selbst beweist nicht nur seine Gesangskunst, sondern moderiert auch das von ihm zusammengestellte Programm. Dafür schlüpft er in die Rolle des Erzählers aus Patrick Süskinds Einakter «Der Kontrabaß» und verknüpft so geschickt und sehr witzig die unterschiedlichen, mit enormer Musikalität und Virtuosität gespielten Stücke. Elena Rachelis begleitet die Lieder am Klavier. Im meisterhaften Zusammenwirken von Stimme und Instrumenten entsteht der große Monolog eines Kontrabassisten, der die Vor- und Nachteile des Lebens für und mit seinem Instrument benennt und beklagt.

Vergangenheit sitzt im Publikum

Auch wenn Andreas Lichtenberger sonst auf größeren Bühnen zu Hause ist, findet er es wichtig, sich an diesem Abend auf keinen Fall zu blamieren: «Meine ganze Vergangenheit sitzt hier im Publikum» sagt er und zählt Lehrer, ehemalige Bandkollegen und Sportsfreunde auf. Nicht zu vergessen seine ehemalige Gesangslehrerin! Andererseits sei diese vertraute Umgebung für ihn auch die beste Voraussetzung, um etwas Neues auszuprobieren, denn es fand - für den Zuhörer kaum vorstellbar - vor dem Konzert nur eine einzige gemeinsame Probe statt. Dass es trotzdem so gut funktioniere, sei vor allem der Flexibilität der Bassisten zu verdanken, die sich unkompliziert und gerne auf all seine neuen Ideen einlassen, so Lichtenberger.

Udo Jürgens hockt im Eck

Der ehemalige Schüler des Bernhard-Strigel-Gymnasiums stand bis vor Kurzem in Phil Collins Musical «Tarzan» in Hamburg auf der Bühne und wird ab März in der Hauptrolle des Musicals «Ich war noch niemals in New York» von Udo Jürgens in Wien zu sehen und zu hören sein. «Jürgens hat schon ein paar mal bei den Proben vorbeigeschaut», erzählt er. «Der kommt einfach rein, hockt sich zwanzig Minuten ins Eck, sagt «super» und geht dann wieder. Wahrscheinlich wollte er nur sehen ob es hübsche Tänzerinnen gibt »

«Ich war noch niemals in New York» ist auch das Lied, mit dem dieser fröhliche und in seiner internationalen Besetzung einmalige Abend zu Ende geht. Während vier Kontrabässe und eine Geige schon wieder sorgfältig verstaut werden, kann Andreas Lichtenberger noch ein Weilchen umringt von Familie und Freunden seinen Besuch ausklingen lassen.

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