Meisterfeier statt Karriere-Ende

Von Andreas Filke, Marktoberdorf Es war schon so ein Kreuz mit der Wade. Bei jeder Anstrengung ein Stechen, das das Laufen schier unmöglich machte. Patrick Platins reiste von einem Arzt zum anderen. Zunächst ohne Erfolg. Der Marktoberdorfer sah sein Karriere-Ende als Fußball-Profi schon ganz nah. Und das mit 21 Jahren. Inzwischen ist er operiert, steht wieder im Tor der Amateure des Vf L Wolfsburg, verlängerte seinen Vertrag um zwei Jahre, feierte die Meisterschaft in der Oberliga Niedersachsen/Bremen und verdient sich ein ums andere Mal Bestnoten. Sogar in den Kreis der U20-Nationalmannschaft kehrte er zurück. Der Leidensweg hatte vor gut einem Jahr begonnen. 'Es macht mir jedesmal die Wade zu', beschrieb Platins. An einen Einsatz im Tor war überhaupt nicht zu denken. In einem Reha-Klinikum in Ulm stieß er nach langer Suche endlich auf den Experten, der ihn vom Schmerz befreite. Er stellte eine Anomalie in der Wade fest. Zwei Muskeln klemmten bei Belastung die Arterie derart ein, dass die Wade nicht mehr mit Blut versorgt wurde. Platins musste unters Messer. Die Risiken, auf die ihn die Ärzte vor der Operation hingewiesen haben, nahm Platins in Kauf. Entweder konnte er zurückkehren ins Fußball-Geschäft oder die Schuhe endgültig an den Nagel hängen. Zu verlieren hatte er also im Grunde nichts, sondern nur zu gewinnen. Offensichtlich landete Platins mit seiner Entscheidung einen Volltreffer. Denn nach der Operation ging es mit ihm wieder steil bergauf. Am vergangenen Wochenende entlud sich bei ihm die ganze Anspannung. Der Vf L Wolfsburg wurde Amateur-Meister der Oberliga Niedersachsen/Bremen. 'Wir haben zwei Tage lang nur gefeiert.' Denn die Mannschaft steht kurz vor dem Aufstieg in die Regionalliga. Ein Entscheidungsspiel gegen den Meister der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein wird aller Voraussicht nach entfallen, weil diese Klasse keinen Anwärter auf die Regionalliga gemeldet hat. Wolfsburg stiege dann direkt auf. Für Platins wäre dies ein weiterer Schritt auf der Karriere-Leiter. 'In dieser Klasse sehen meine Perspektiven noch besser aus', vermutet er wahrscheinlich nicht zu Unrecht. Bis 2006 bleibt er aber auf jeden Fall bei den 'Wölfen', obwohl es auch Angebote von anderen Vereinen gegeben habe. 'Ich fühle mich wohl in Wolfsburg, der Verein setzt auf mich' und hielt auch in der schwierigen Zeit zu ihm. Das waren schließlich die Gründe, die den Ausschlag zu Gunsten des Vf L gaben. In gutem Kontakt stehe er dabei mit dem Trainer der Bundesliga-Mannschaft, Erik Gerets. Weil Platins wieder unter dessen Fittichen die Vorbereitung auf die Saison bestreitet, will er 'die Chance nutzen', zumal ihm Gerets angedeutet habe, dass auch auf der Torhüter-Position die Karten neu gemischt werden.

Daumen drücken für den FSV Vorerst aber genießt er seinen kurzen, nur knapp drei Wochen dauernden Urlaub. An diesem Wochenende will er in Marktoberdorf Station einlegen, sich vor allem mit seinen Eltern, aber auch mit alten Freunden treffen - und den FSV Marktoberdorf anfeuern. Denn sein Heimatverein steht mitten im Aufstiegskampf zur Kreisliga Süd. Und da will Patrick Platins ganz fest die Daumen drücken. 'Vielleicht gibt's ja dann am Sonntag noch was zu feiern. Ich würde mich freuen.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018