Sonthofen / Oberallgäu
«Meistens waren es längst vergessene, alte Erbstücke»

Was Freizeitschützen so alles mit einer Waffe anstellen können, das hat sich erst in der Silvesternacht in Blaichach auf kuriose Art und Weise und zum Glück letztlich harmlos gezeigt: Ein 88-Jähriger hatte nach eigenen Angaben Lust verspürt, noch einmal sein Kleinkalibergewehr auszuprobieren. Statt des anvisierten Komposthaufens traf er allerdings ein Feuerwehrfahrzeug. Das Löschfahrzeug trägt seitdem zwei Dellen. Der nicht wirklich zielsichere Schütze gab seine - ordnungsgemäß angemeldete - Waffe freiwillig ab, noch bevor sie als Tatwerkzeug von den Behörden sowieso sicher gestellt worden wäre. Eine Anzeige erwartet den Senior laut der Polizei Immenstadt nun aber trotzdem.

Nichts zu befürchten wegen Verstoß gegen das Waffengesetz hatten dagegen alle die, die bis zum 31. Dezember nicht genehmigte Waffen bei Polizei, Stadt, Landratsamt oder in Waffengeschäften abgaben. Wie berichtet, galt bis zum Jahresende eine Amnestie, also Straffreiheit. Im Oberallgäu machten davon über hundert Bürger Gebrauch:

«In den letzten sechs Wochen wurden hier über 160 Waffen abgegeben», sagt Sprecherin Brigitte Klöpf vom Landratsamt Oberallgäu. Wie viele davon in illegalem Besitz waren, kann sie nicht genau sagen. Im Sommer, zu Beginn der Aktion, seien dagegen nur acht bis zehn Waffen pro Monat abgegeben worden. Insgesamt haben im Oberallgäu rund 4200 Menschen eine Waffenbesitzkarte. Diese werden seit Herbst vergangenen Jahres nach und nach angeschrieben, dass sie belegen müssen, wie sie ihre Gewehre und Pistolen aufbewahren.

«Werden die Nachweise nicht erbracht, kann das dazu führen, dass die Erlaubnis widerrufen wird und die Waffen abgegeben werden müssen», erläutert Klöpf.

Auf den vier Oberallgäuer Polizeidienststellen (Oberstdorf, Oberstaufen, Sonthofen, Immenstadt) wurden laut Polizeisprecher Christian Owsinski insgesamt elf Langwaffen, 25 Kurzwaffen und rund 1000 Schuss Munition abgegeben. «Ohne die Amnestie-Regelung wäre das nicht passiert», ist Friedrich Hummel von der Polizeiinspektion Oberstdorf überzeugt. Die meisten Waffen seien «schon ewig» in illegalem Besitz gewesen.

Das bestätigt auch sein Kollege Joachim Brey aus Immenstadt, wo noch kurz vor Silvester einige Schießwerkzeuge abgegeben worden seien: «Meistens waren es längst vergessene, alte Erbstücke, die plötzlich irgendwo auf dem Dachboden beim Stöbern zum Vorschein gekommen sind», erinnert sich der Polizeibeamte. Unter den Waffen waren laut Brey sowohl Langwaffen als auch Faustfeuerwaffen sowie verbotene Gegenstände wie etwa Schlagringe, die auch unter das Waffengesetz fallen. «In vielen Fällen war der Vorbesitzer nicht mehr feststellbar», erklärt Franz Hauber von der Polizei Sonthofen. Einige Fundstücke, etwa Kleinkaliberwaffen, stammten freilich aus den Vorkriegsjahren, so Hauber.

Viele wurden verkauft

Gewehre und Pistolen, die auf dem Markt noch etwas Wert sind, hat zum Beispiel das Waffengeschäft Beer in Kempten angekauft. 30 bis 40 Stück waren es etwa laut Inhaber Josef Beer. Auf der anderen Seite hätten sich jedoch auch viele Leute neue, ordnungsgemäße Schränke gekauft. Beer kritisiert, dass von der Aktion zahlreiche Besitzer langer, also unhandlicher und damit relativ ungefährlicher Waffen betroffen seien. Gefährlich sind in seinen Augen vor allem automatische Pistolen. »Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018