Meine Hände sind feucht

Von Bernd Skischally, Memmingen Himmlische Ruhe gibt es für den Engel vom Bayerischen Fernsehen heute Abend nicht. Ganz im Gegenteil: Aufgeregt und mit angespanntem Gesichtsausdruck flitzt die mit einem schneeweißen Röckchen und Federn-Flügeln kostümierte Cornelia Bergmann kreuz und quer durch die Memminger Stadthalle. Tisch für Tisch muss sie abklappern und überprüfen, ob die Besucher und insbesondere die zahlreichen Ehrengäste alle auf ihren zugewiesenen Plätzen sitzen. 'Sehr oft ist das nicht der Fall', meint Bergmanns Kollegin Jessica Lepke Kopf schüttelnd. In weniger als 15 Minuten öffnet sich der Bühnen-Vorhang und die Fernsehaufzeichnung der ersten bayerisch-schwäbischen Prunksitzung beginnt. 'Wenn's losgeht, müssen die Kameramänner genau wissen, auf welchem Platz sie welchen Prominenten finden', erklärt Lepke, als abermals der mit einer Schreibtafel ausgestattete Engel vorbeihuscht. Lepke betreut mit drei Kolleginnen vom Bayerischen Rundfunk (BR) die eigentlichen Stars des Abends. 'Wir sorgen dafür, dass die Darsteller ihren Einsatz nicht verpassen', so die 44-Jährige, die einen Zylinder, hochhackige schwarze Stiefel und ein bunt glitzerndes Dompteur-Kostüm trägt. 'Liebe Gäste, bitten schauen oder winken Sie nie direkt in die Kameras.' Während Publikums-Anheizer Georg Ried noch letzte Anweisungen für die Aufzeichnung erteilt, machen sich Lepkes Schützlinge für den Einmarsch bereit. Auch der 'Schräge Chor' von den Legauer 'Löwen '77' reiht sich in die Schlange der wartenden Darsteller ein. Dann öffnet sich die Saal-Tür und die Trommler und Bläser der 'Weissahoarer Guggamusik' beginnen zu spielen. Die Akteure betreten das Rampenlicht. Winkend tänzeln sie durch die Zuschauerreihen in Richtung Bühne. Massenweise Konfetti schwirrt durch die Luft.

Die vielleicht größte Faschings-Party, die Memmingen je erlebt hat, nimmt ihren Lauf. Nach der Eröffnungsshow steht das 'Löwen'-Team um Bruno Kaiser und Karl 'Tscharlie' Negele im kleinen Saal der Stadthalle. Wieder müssen sie und andere Protagonisten warten. Auf zwei großen Fernsehgeräten verfolgen sie die Bilder, die dann auch im TV zu sehen sein werden. Langsam kommt die Aufregung - auch für die routinierten Narren aus Legau. 'Meine Handflächen sind schon gut feucht. Und das Herzrasen hört wohl erst auf, wenn wir auf der Bühne stehen', meint Kaiser. Mit seinem eng anliegenden, knallroten Abendkleid und der edel hoch gesteckten Langhaarperücke ist der stämmige Mann ein beinahe perfektes Double der Opern-Sängerin Montserrat Caballé. 'Fast eine dreiviertel Stunde war ich dafür in der Maske', erzählt Kaiser und tätschelt sich grazil eine seiner gepuderten Wangen. Zehn Minuten vor ihrem Auftritt werden die sechs Legauer 'Löwen' von ihrer Betreuerin abgeholt. Von Maskenbildnerinnen erhalten sie den letzten Schliff. Als der Vorhang zugezogen ist, steigt der 'Schräge Chor' innerhalb von Sekunden in die auf ein Holzbrett fest geschraubten Ski-Schuhe und ist bereit. Bereit für den ersten Fernsehauftritt. 'Als ich das begeisterte Publikum gesehen habe, war die Aufregung auf einen Schlag weg', wird Kaiser später überglücklich feststellen. i Die Aufzeichnung der Prunksitzung wird am Freitag, 30. Januar, 19.45 Uhr, im Bayerischen Fernsehen gezeigt.

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