Ottobeuren / Memmingen
«Mein Ruf ist zerstört worden»

Eigentlich, sagt Dr.Wolfgang Pflederer, habe er die Sache abschließen und nicht mehr an die Öffentlichkeit gehen wollen. Doch nach einer Rede des Landrats an Dreikönig, in der Hans-Joachim Weirather indirekt den früheren Ottobeurer Chefarzt attackierte (wir berichteten), habe er seine Meinung geändert. Im Gespräch mit unserer Zeitung wirft Pflederer dem Landrat vor, mit Halbwahrheiten zu operieren und sich als schlechter Verlierer zu erweisen. Der Anwalt des Arztes zitiert aus Akten der Staatsanwaltschaft. Demnach hatte Weirather um vollständige Aufklärung des Falles, auch in strafrechtlicher Hinsicht, gebeten. Der Landrat dagegen versicherte gestern auf Nachfrage, er habe die Staatsanwaltschaft nicht zum Handeln animiert.

Pflederer und dem ehemaligen Vorstand der Unterallgäuer Kreiskliniken, Alfons Hawner, war vorgeworfen worden, Erlöse aus der Behandlung von Privatpatienten in falsche Kanäle gelenkt zu haben. Es ging dabei um eine Summe in Höhe von 36000 Euro. Mit diesem Geld wurde die Stelle des Arzt-Sohnes Sebastian Pflederer finanziert. Er machte Öffentlichkeitsarbeit für die Kreiskliniken. Die Staatsanwaltschaft sei zu dem Schluss gekommen, dass er und Hawner unschuldig seien, so Pflederer in der MZ-Redaktion. Nach Angaben der Behörde ist deutlich geworden, dass Arzt und Vorstand berechtigt waren, so zu handeln. Beide hatten im Frühjahr 2009 die fristlose Kündigung erhalten.

«Mindestens 650000 Euro»

Schließlich wurden Vergleiche mit Hawner, Pflederer und dem ebenfalls gekündigten Sohn des Mediziners geschlossen. Dies habe den Kreis mindestens 650000 Euro gekostet, so Pflederer. Dazu kämen Anwaltskosten und Ausgaben für die Beratungsfirma Peritinos, die zwischenzeitlich das Kliniken-Management übernommen hatte. «Insgesamt ergibt das eine Summe zwischen 800000 und einer Million Euro. Damit hätten die Kreiskliniken sechs Pflegekräfte für drei Jahre beschäftigen können», so Pflederer.

Sein Anwalt Heinrich C.Vergho (Eichstätt) hält es für eine «Farce», wenn nun argumentiert werde, dass der Kreis auf der anderen Seite Geld spare, da die neuen Chefärzte keine so lukrativen Verträge mehr bekämen. «Das reicht bei weitem nicht aus, um die anderen Ausgaben abzudecken.

» Dazu kämen Einnahmeverluste durch einen «deutlichen Einbruch bei den Privatpatienten in Ottobeuren», sagt Pflederer, der 22 Jahre an dem Krankenhaus war.

Der frühere Ärztliche Direktor widerspricht auch der Darstellung, sich gegen einen Herzkatheter-Messplatz in Mindelheim gewandt zu haben: er sei sogar ein Befürworter gewesen. Pflederer räumt allerdings ein, ein solches Gerät auch für die kleinere Klinik in Ottobeuren reklamiert zu haben. «Das war eine Maximalforderung, um wenigstens zu erreichen, dass auch unser Standort aufgewertet wird.» Ihm sei schon klar gewesen, dass er damit nicht durchkomme. Er habe auch nie das Ziel verfolgt, in Ottobeuren einen Messplatz durch die Hintertür einzuführen, so der Arzt weiter.

Doch ihm gehe es nicht nur um fachliche Themen, sondern auch um die menschliche Komponente der Geschehnisse, betont Pflederer: «Durch diesen Rauswurf wurde ich schwerst beschädigt, mein Ruf ist zerstört worden.» Gravierende gesundheitliche Probleme seien die Folge gewesen, so der 63-Jährige. Er sei wegen einer schweren Depression fünf Monate lang in psychiatrischer Behandlung gewesen. Und seinem Sohn sei gekündigt worden, obwohl er laut Arbeitszeugnis sehr gute Arbeit geleistet habe. Dem Landrat wirft Pflederer vor, für Kritik nicht empfänglich zu sein: «Er verträgt keine andere Meinung. Eine offene Diskussion wie früher gibt es nicht mehr.» Bei Weirather gelte die Devise «alles hört auf mein Kommando».

Der Landkreis hätte die Trennung von Pflederer viel billiger haben können, so Vergho. «Man hätte sich zusammensetzen und Wege finden können, wie man sich schiedlich-friedlich trennt. Es gibt Beispiele, wo es so gelaufen ist.» Zumal man ja wissen müsse, sagt der Anwalt, dass Hawner ohnehin heuer und Pflederer im nächsten Jahr in Ruhestand gegangen wären.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019