Mehr böse Worte als Prügeleien

Oberallgäu(uw). - 'Gewalt an Schulen' bleibt ein Reizthema, auch wenn es im Oberallgäu offenbar keine besorgniserregende Entwicklung gibt. Von der fachlichen Seite näherte sich dem Thema der Oberallgäuer Schul-, Kultur- und Sportausschuss. Schulrat Günter Stephan berichtete über Ursachen und Formen. Im April 2003 führte das Schulamt an den Volksschulen eine Umfrage durch. Von 35 Grund- und Hauptschulen im Oberallgäu sprachen nur drei von einer Gewaltzunahme und begründeten das mit einer geringeren Hemmschwelle und der damit verbundenen erhöhten Gewaltbereitschaft. Einzelne Schulen nannten sogar einen Gewaltrückgang. Alle Schulen stellten unterschiedliche Formen verbaler Gewalt fest; im psychischen Bereich wurde mehrfach von 'Mobbing' unter den Schülern berichtet. Im körperlichen Bereich reiche die Spannweite von Rempeleien und Raufereien bis hin zu Fausthieben, Fußtritten und Schlägereien. Stephan bedauerte: 'Die ,Vorbilder' gibt es jeden Tag im TV-Vorabendprogramm.' Forschungsergebnisse zum Thema sind laut Stephan eher widersprüchlich: Einige sprechen von leichter Zunahme an Schulen, andere sehen keine bedeutsame Veränderung. Kaum etwas deute auf eine allgemeine dramatische Zunahme von Gewalt hin.

Allgemeine Tendenz sei eine leicht steigende Fallzahl. Die Studien nennen verbale Gewalt als typische Form in Deutschland. Schwerwiegendes kriminelles Verhalten im Schulbereich komme sehr selten vor und sei untypisch. Aus der Schule komme aggressives Fehlverhalten nicht, betonte Stephan mit Blick auf Untersuchungsergebnisse im Internet: Häufigste Ursachen für Gewalt seien danach ein Mangel an Wärme in der Eltern-Kind-Beziehung (47 Prozent) sowie die unzureichende elterliche Aufsicht und Steuerung (39 Prozent). Nach anderen Studien zeige sich Gewalt besonders bei Jugendlichen mit niedrigem Bildungsstand oder wenn die soziale Situation durch Armut, schlechte Zukunftsperspektiven und soziale Integration geprägt ist. Stephan bedauerte, dass das Fach Erziehungskunde abgeschafft wurde. In der Diskussion monierte Kreisrat und Lehrer Winfried Engeser (SPD) die zunehmend gewalttätigen Filme. Selbst ein Kinofilm wie 'Troja' sei nicht ausgenommen. Die an fast allen Schulen eingeführten Streitschlichter-Modelle kommen seiner Ansicht nach nicht weiter, wenn es um Mobbing gegenüber Schülern geht. Große Nachfrage fänden aber die Schulpsychologen. Uli Leiner (Grüne) bedauerte, dass Kinder bei der Überweisung an einen Psychologen ein halbes Jahr Wartezeit hätten. Dass Psychologen überhaupt sehr viel weiterhelfen können, bezweifelte Eduard Geyer (Freie Wähler) und sprach sich für einen 'Sport-Rauf-Unterricht' aus. Doch selbst wenn der möglich wäre , könnte das laut Engeser auch nicht überall helfen. 'Grundstock ist, wie es daheim zugeht', sagte Bori Kössel (CSU).

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