Mehr als das Gedächtnis der Verwaltung

Von Gerlinde Schubert Marktoberdorf - Ein Feldmessbüchlein aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges dürfte wohl zu den ältesten Dokumenten gehören, das sich im Marktoberdorfer Ortsteil-Archiv findet. In dem Grundbuch, wie man heute sagen würde, ist penibel festgehalten, welchem Sulzschneider welches Fleckchen Erde in den Jahren von 1628 bis 1643 gehörte. Zu den Lieblingsstücken der Archivarin Ursula Thamm aber zählt ein original erhaltener 'Weide- und Trieb-Brief' aus Sulzschneid. Die Bauern wurden mit dieser in schönster Handschrift verfassten Verordnung angehalten, ihr Vieh nicht auf kirchlichem Grund grasen zu lassen. Solche 'Schmankerl', aber auch Berge von alten Akten, Bildern und weiteren Dokumenten gehen seit rund zwei Jahren durch die Hände der Archivarin. Ihre Aufgabe ist es, Ordnung in das Sammelsurium zu bringen und es für die Nachwelt aufzubereiten. 2002 hat Ursula Thamm ihre Arbeit bei der Stadt Marktoberdorf aufgenommen. Ihr Auftrag: die Ortsteil-Archive zu ordnen. Geschafft hat sie bereits den Ortsteil Rieder, elf Monate waren nötig, um Bertoldshofen zu bewältigen. Jetzt ist Geisenried und Leuterschach dran. Als gewaltigen Schritt vorwärts bezeichnet Bürgermeister Werner Himmer das Ergebnis, das bereits erzielt wurde.

Dauer: mindestens vier Jahre Mit mindestens weiteren vier bis fünf Jahren rechnet Ursula Thamm, bis alle Ortsteile so 'verräumt' sind, wie es sich für ein Archiv gehört. Dabei hat sie es nicht nur mit ganz unterschiedlichen Materialien zu tun. Vielmehr wurden und werden sie auch nach ganz unterschiedlichen Ordnungsprinzipien aufgereiht angeliefert. 'Alte Akten' steht zum Beispiel ganz allgemein auf einem der vielen Stapel zu lesen. Stück für Stück muss sich die Archivarin vorarbeiten. Nach einem genau festgelegten und allgemein verbindlichen Ordnungsplan sortiert sie in mehreren Schritten die Dokumente fein säuberlich in beschriftete Kartons und erhält sie so der Nachwelt. Vieles, was über die Jahrhunderte und auch heute als 'Gedächtnis der Verwaltung' angesammelt wurde und wird ist ein Stück Geschichte. Seien es Chronisten, Heimat- oder Familienforscher: Sie werden im Stadtarchiv fündig, das ehrenamtlich von Helmut Hepke betreut wird, und sie können nun immer effektiver auch auf das Ortsteil-Archiv zurückgreifen. Gut aufgehoben, so Ursula Thamm, seien im Stadtarchiv aber nicht nur amtliche Dokumente, sondern auch Fotosammlungen, Vereins- oder Firmenbestände sowie private Nachlässe. Gerade die Anfragen von Familienforschern, so Frau Thamm, häuften sich.

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