Maut: Vorerst hilft nur abwarten

Marktoberdorf/Ostallgäu(wu). - Bei Spediteuren und Kfz-Werkstätten in und um Marktoberdorf herrscht wegen der wahrscheinlich bevorstehenden Kündigung der Maut-Verträge durch die Bundesregierung großes Rätselraten: Was passiert jetzt? Müssen die bereits eingebauten Erfassungsgeräte wieder ausgebaut werden? Wer erstattet die Kosten? Die Unternehmer wollen vorerst abwarten. Denn eine Chance hat die umstrittene Betreiber-Vereinigung Toll-Collect noch: Binnen zwei Monaten muss sie die Forderungen der Regierung erfüllen, sonst wird die Kündigung wirksam. Viel zu spät sei die Kündigung erfolgt, sagt Rudolf Röhlich von der Spedition Röhlich aus Marktoberdorf. Ein Drittel seiner 28 Fahrzeuge ist bereits mit dem Maut-Gerät ausgerüstet. Vier Stunden stand jeder Lkw dazu in der Werkstatt. Die Kosten für den Einbau betragen zwischen 200 und 400 Euro - die Standzeiten noch nicht eingerechnet. Den Einbau musste der Spediteur bezahlen. 'Von zehn haben nur drei Geräte funktioniert', kritisiert Röhlich. Bei der Spedition Ansorge in Altdorf sind in fast allen Lkw (183) Maut-Geräte eingebaut. Auch deren Leistung sei unbefriedigend, sagt Geschäftsführer Wolfgang Thoma. Kein Einzelfall: Der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmer schätzt den Schaden durch den Ein- und Ausbau defekter Erfassungsgeräte allein für die bayerischen Spediteure auf rund 60 Millionen Euro. Doch wer ersetzt die Kosten? 'Wir haben keinen Vertrag mit Toll-Collect, sondern mit der Firma, die die Maut-Geräte eingebaut hat', sagt Thoma. Letztendlich würden beide Seiten, Spediteure wie Werkstätten, Regressansprüche an Toll-Collect stellen, meint Jürgen Bioly, Prokurist bei Alnufa in Marktoberdorf. In der Kfz-Werkstätte von Alnufa wurden rund 150 Maut-Geräte in Lkw eingebaut, unter anderem auch in die von Rudolf Röhlich. 'Wir haben einen Vertrag mit Toll-Collect und warten ab. Schließlich hat die Betreiber-Vereinigung noch zwei Monate Zeit', sagt Bioly.

Im Lager von Alnufa stehen Maut-Geräte und spezielle Rechner. Was mit ihnen nach der zu erwartenden Kündigung passiert, ist unklar. 'Schlimm ist, dass der Standort Deutschland dadurch in Misskredit geraten ist. Wir haben uns doch blamiert. Wir haben Kunden aus Österreich, die machen jetzt Witze über uns', sagt Bioly. Apropos Österreich: Rudolf Röhlich macht sich dafür stark, die Maut-Technik aus dem Nachbarland zu übernehmen. 'Die Wiedereinführung der Euro-Vignette dauert acht bis zehn Monate', rechnet er vor. Es sei ein Fehler gewesen, die Euro-Vignette so früh zu kündigen. Jetzt seien die Ausgabedrucker für die Euro-Vignette zum größten Teil bereits abgebaut. 'Die fehlenden Einnahmen werden doch in keiner Weise durch die Vignette ersetzt', betont Thoma. Das österreichische System könne zudem schneller eingeführt werden, meint Röhlich. Dann würden auch eher Gelder fließen. Denn durch den Ausfall der Maut-Einnahmen klafft eine riesige Lücke im Haushalt der Bundesregierung. Die Finanzmittel waren unter anderem für den Neu- bzw. Ausbau von Straßen vorgesehen. Projekte wie die Erweiterung der B12 zwischen Geisenried bis kurz vor Altdorf stünden nun auf der Kippe, sagt Olaf Weller vom Straßenbauamt Kempten. 'Eine definitive Entscheidung fällt Mitte März', betont Weller. Aber: 'Vor einem Jahr waren wir wesentlich euphorischer.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018