Marktoberdorf
Marktoberdorf im Untergrund nicht ganz dicht

Was die Kontrolle mit der Fernsehkamera im Untergrund zutage förderte, ließ die Mitglieder im Bauausschuss erschaudern. Danach besteht bei 45 Prozent der Abwasserkanäle südlich der Brückenstraße kurzfristig, bei manchen sogar sofortiger Handlungsbedarf. Die Kosten werden grob auf 673000 Euro für die Röhren und auf 86000 Euro für die Schächte geschätzt.

Die Untersuchung bedeute nicht, dass gleich sämtliche Straßenzüge aufgerissen werden müssen, stellte Ingenieur Gerald Bartl von der Augsburger Gesellschaft für Geoinformation Riwa anhand von Fotos dar. Manchmal habe sich auch nur Schlamm in einem Zulauf abgesetzt und müsse weggespült werden.

Musikerviertel betroffen

Das am stärksten betroffene Gebiet ist das sogenannte Musikerviertel um Mozartstraße, Beethovenstraße und Haydnstraße. Nicht viel besser sieht es im Bereich zwischen Meichelbeckstraße, Tanellerstraße und Franz-Schmid-Straße aus. Teilweise betroffen ist das Gewend, was wiederum die Räte verwunderte, ist das doch erst vor 24 Jahren aus dem Boden gestampft worden.

«Viele Schäden sind schon beim Bau entstanden», erläuterte der Fachmann. Da seien zum Teil Betonröhren ohne Dichtung verlegt worden. Exakt lasse sich das jedoch erst nachweisen, wenn die Videoaufnahmen eingehend begutachtet worden sind. Heutzutage seien solche Bauschäden ausgeschlossen, weil eine Überprüfung durch eine TV-Anlage Pflicht sei. «Damals gab es diese Möglichkeiten noch nicht.» Und wenn die Rohre zu schmal waren, konnte auch kein Kontrolleur mehr hinein krabbeln.

Kein Grund zur Beunruhigung

Bartl sah in der Bestandsaufnahme keinen Grund zu Beunruhigung. Diese Schäden seien auch in diesem Umfang sehr oft in anderen Städten und Gemeinden nachzuweisen. Er riet, sich von dem Bild nicht irritieren zu lassen. Es sage nicht aus, wie viele Schäden tatsächlich auf einem Abschnitt vorliegen. Es werde bei der ersten Durchsicht stets der schlimmste Schaden festgehalten.

Im ersten Teil hatte Riwa rund zehn Kilometer des städtischen Kanalnetzes untersucht. Dies entspricht 393 Abschnitten. Insgesamt liegen in Marktoberdorf 150 Kilometer Kanal im Boden. Unter anderem das Wasserhaushaltsgesetz, dessen Neufassung am 1. März gültig wird, und das bayerische Wassergesetz sehen eine Verpflichtung zur regelmäßigen Kontrolle der Kanäle vor. Je nach Durchmesser muss diese Sichtprüfung alle fünf oder alle zehn Jahre erfolgen. Ab März sind davon auch die Grundstücksanschlüsse betroffen.

Genau analysieren und abwägen

Zum weiteren Vorgehen schlug Bartl vor, die Bereiche mit den höchsten Schadensklasse genau zu begutachten, das Schadensbild zu beurteilen und die Ursachen festzustellen. Daraus resultiere die Sanierungsstrategie. Manchmal könne eine Reparatur reichen, manchmal aber eine komplette Erneuerung nötig sein. Erst danach sei eine detaillierte Kostenschätzung möglich.

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