Memmingen / Mazar-e-Sharif
Marathon in Mazar-e-Sharif

«Willkommen in der Hölle.» Der Satz zur Begrüßung war nicht dazu angetan, das ohnehin etwas mulmige Gefühl zu vertreiben. Da stand der 42-jährige Memminger Bundeswehr-Soldat nun in Mazar-e-Sharif im Norden Afghanistans. Ein Einsatz mit einer Dauer von über vier Monaten lag vor ihm. In dieser Zeit hatte er praktisch keine Privatsphäre und musste mit Temperaturen von bis zu 55 Grad im Schatten zurechtkommen. Ein Einsatz in Afghanistan sei eben eine ganz besondere Erfahrung, sagt der Memminger und kommt zu dem Schluss: «Ich habe es nicht bereut.» Kürzlich ist er in die Heimat zurückgekehrt.

Entspannung in Therme

Der 42-Jährige nimmt sich viel Zeit für das Gespräch. Er erzählt davon, dass seine Freundin anfangs von den Afghanistan-Plänen nicht begeistert gewesen sei und er sich vor dem Abflug einen entspannenden Tag in einer Therme gegönnt habe. Seinen Namen aber will der Memminger nicht in der Zeitung lesen. Das geschehe aus Selbstschutz, erläutert er. «Vielleicht gibt es Menschen, die gegenüber einer solchen Mission negativ eingestellt sind. Ich kenne keinen Soldaten, der seinen Namen öffentlich nennen lässt.»

Vor seinem Aufenthalt in Afghanistan hatte der Memminger noch nie eine Soldatenuniform getragen: «Bei der Musterung wurde ich einst als untauglich eingestuft.» Doch die damaligen gesundheitlichen Probleme sind überwunden, vor dem Einsatz am Hindukusch absolvierte er eine umfangreiche militärische Vorbereitung.

«Es ging beispielsweise darum, wie man sich verhält, wenn man in bewohntem Gebiet beschossen wird.» Der Memminger, der am Kemptener Bundeswehr-Standort als Betriebsschlosser arbeitet, war von einem Kollegen auf die Idee gebracht worden, sich für Afghanistan zu bewerben.

In dem Lager in Mazar-e-Sharif seien über 3000 Soldaten stationiert gewesen, so der 42-Jährige. «Sie kamen aus über 20 Nationen.» Der Memminger gehörte zum «technischen Betriebsdienst». Er musste Türen reparieren, an Toren schweißen oder ein Dach decken: «Es war wichtig, flexibel zu sein.» Der Dienst dauerte von 7.30 bis 20 Uhr - und das sieben Tage die Woche. «Man hatte höchstens mal einen halben Tag frei.

» Der 42-Jährige verließ auch das Lager, um mit Kameraden in einem Wahllokal die sanitären Anlagen aufzubauen. In eine gefährliche Situation sei er aber glücklicherweise nicht geraten.

Joggen und Fitness-Studio

Der Memminger hatte in Mazar-e-Sharif fast keine Chance, mal für sich zu sein. Jedenfalls nicht in dem rund 14 Quadratmeter großen Zimmer, das er sich mit zwei Kameraden teilen musste. Er habe deshalb viel Sport gemacht, sei ins Fitness-Studio und zum Joggen gegangen. Und dann war da dieser Wettbewerb, den der 42-Jährige sogar als den Höhepunkt seines Afghanistan-Aufenthalts bezeichnet. Er nahm an einem Halbmarathon teil, bei dem über 21 Kilometer zu bewältigen sind: «Ein tolles Erlebnis. Mit einem Kollegen hatte ich mich intensiv darauf vorbereitet.»

Balsam für die Seele waren auch die Briefe von den Angehörigen. Die seien ihm wichtiger gewesen als Telefonate mit der Heimat, erzählt der Memminger Soldat. «Ein Telefongespräch ist schnell vorbei, einen Brief aber kann man sich immer wieder durchlesen. Das geht tiefer rein.»

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