Kempten
Manches ist spannend, manches reizarm

Haydn, Schumann, Beethoven - das Programm, mit dem das Auryn-Quartett diesmal ins Stadttheater Kempten kam, blieb im bildungsbürgerlichen Rahmen. Und die konservative Auswahl wurde mit gutem Besuch honoriert.

Bei Joseph Haydns op. 55/2 und Robert Schumanns selten gespieltem op. 41/2 geschah es dem Kritiker zum ersten Mal, dass er von einer Interpretation des Auryn-Quartetts nicht restlos begeistert war. Trotz Höhepunkten wie dem dramatischen Fugato im Haydn-Allegro oder der mystisch-fahlen, entrückten Atmosphäre, die Schumanns Andante-Variationen heraufbeschworen: Das war elegant und geschmeidig, aber reizarm musiziert. Dieser Tropfen war glatt am Gaumen, hatte wenig Säure und Tannin. Gepflegte Unterhaltung statt Streitgespräch.

Mitunter hatte man Zweifel, ob diese Stücke den Musikern wirklich Herzens-Anliegen waren.

Gerade wenn wie bei Haydn die erste Geige die besten Happen bekommt, dann müssen doch die anderen geradezu auf ihre Chance lauern und sich heißhungrig auf jede Note von Wert stürzen. Am meisten Widerpart bot dem charismatischen Primus Matthias Lingenfelder der Bratscher Stewart Eaton. Auf Tauchstation war hingegen Jens Oppermann, der im sprichwörtlichen Sinne durchgehend die zweite Geige spielte. Auch in diesen zwei vordergründig harmlosen Werken steckt mehr musikalischen Zündstoff, das können die Herren aufregender.

Seinem Ruf als Ensemble der «Champions League» wurde das Quartett dann allerdings mit Beethovens berühmten op. 127 gerecht.

Auch wenn Oppermann manchmal auch hier träumte (Dialog der Violinen in der zweiten Variation des Adagio) - diese Interpretation hatte die elektrisierende Spannung, die man von diesem Ensemble gewohnt ist. Da wurden die Register gewechselt: hymnisch breiter Strich in der Einleitung, verhangen intime Farben im Andante, Spieltrieb und weiser Humor im Scherzo, gekonnt derb im Finale, das schließlich zerstäubte, dass man den Atem anhielt. Der erst freundliche Beifall war nun enthusiastisch. Bei der Zugabe, im rasend hingefetzten Finale aus Haydns «Lerchen-Quartett», zeigte sich das Quartett noch einmal in Bestform. Warum nicht gleich so?

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