Mammut-Unternehmen Fasnachtsabende

Von Anne Roth Marktoberdorf - In Marktoberdorf lässt es sich ruhig und gemütlich leben. Doch Marktoberdorf, ehemals der kleine Flecken Oberdorf (weshalb sich die Einwohner immer noch Oberdorfer nennen), und vor 51 Jahren zur Stadt erhoben, hat auch eine wilde Seite der Vergangenheit: Die Fasnacht. Und die lassen die Oberdorfer auch noch heute jedes Jahr aufleben. In einer Serie soll die Geschichte der Oberdorfer Fasnachtmit ihren Bräuchen dargestellt werden. 1966 zog sich ersmals nach dem Krieg wieder ein Faschingszug, der 'Gaudiwurm', durch Marktoberdorf. 1967 feierte man nach dem Umzug im alten Stadttheater weiter. Spontan ergriff damals Kaspar 'Baschtl' Streif, Marktoberdorfer Original und Heimatdichter, die Gelegenheit, sprang auf die Bühne und glossierte das närrische Treiben in Versform. Das Publikum war begeistert! Sogar die Allgäuer Zeitung druckte die gereimte Gaudiwurmbeschreibung ab. Schon im nächsten Jahr gab es dann die Oberdorfer Fasnachtsabende. Erst nur am gumpigen Donnerstag, bald schon an drei Abenden und heute füllen die Oberdorfer Fasnachter sechs Mal das örtliche Veranstaltungszentrum Modeon und amüsieren ihr Publikum mit einer jedes Jahr neu erschaffenen, einzigartigen Kabarett- und Revueshow. Beim Zuschauen vergisst man dabei leicht, dass es wirklich nur Laien aus Marktoberdorf und Umgebung sind, die hier auf der Bühne stehen. Die verschiedenen Ereignisse des Jahres von der hohen Politik über allgemeine Gesellschaftsthemen bis hin zu lokalen Begebenheiten werden in Dialekt und hochdeutsch bissig-witzig glossiert und in Szene gesetzt. Dazwischen sorgen rasante Tanz-, Akrobatik und Live-Musikeinlagen für Abwechslung und Stimmung. Jede Nummer, jedes Stück und jeder Sketch wird von den Mitwirkenden eigens für die Fasnacht geschrieben und einstudiert. Adaptierte Sketche und Vorlagen aus dem Fernsehen oder Büttenreden, wie aus dem rheinischen Karneval bekannt, sucht man hier vergeblich. Hier wird parodiert, bissig kommentiert und schonungslos bloßgestellt.

Alles wird mit aufwändig gestalteten Bühnenbildern, Masken und Kostümen liebevoll bis ins kleinste Detail inszeniert. Rund 100 Akteure sind bei den Oberdorfer Fasnachtsabenden auf und hinter der Bühne aktiv und arbeiten auch heuer wieder mit Hochdruck an ihren Auftritten, um das inzwischen schon verwöhnte Marktoberdorfer Publikum wieder zu begeistern. Die künstlerische Leitung der Fasnachtsabende übernahm 1989 Monika Schubert, bekanntes Allgäuer Multitalent und Betreiberin der Theaterschule und kleinen Kunstbühne 'mobile', die damit eine Familientradition weiterführt. Schließlich war es ihr Vater Franz Schubert, der damals 1968 die Fasnachtsabende mit aus der Taufe hob und sie ebenfalls jahrelang leitete. Übrigens, auch die Tochter von Kaspar Streif, Sabine Sprich, ist heute auf der Bühne bei den Oberdorfer Fasnachtern aktiv und bringt ebenso wie damals ihr Vater die Zuschauer zum Lachen. Vielleicht sind die vielen 'Eigengewächse' das Erfolgsgeheimnis der Oberdorfer Fasnachter? Wollen wir hoffen, dass sich der Nachwuchs noch lange begeistern lässt und, wie schon die Alten, nicht locker lassen und kein Blatt vor den Mund nehmen. i. Von Montag, 16. Februar, bis Samstag, 21. Februar, finden die sechs Fasnachtsabende statt. Beginn ist jeweils 20 Uhr im Modeon. Der Kartenvorverkauf beginnt am Samstag, 31. Januar von 8 bis 15 Uhr im Modeon; im Kulturbüro 'mobile' an der Bahnhofstraße 18 gibt es von 2. Februar bis 16. Februar jeweils von Montag - Freitag 9 bis 12 Uhr Karten zu kaufen (Telefon 08342/40185). Der Oberdorfer Gaudiwurm macht sich am Faschingssonntag, 22. Februar, 13.30 Uhr, auf den Weg.

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