Altusried
Ludwig Thoma in Allgäuer Version

«Der alte Feinschmecker» des Urbayern Ludwig Thoma (1867 bis 1921) ist ein typisches Münchner Gewächs. Umsorgt von seiner kritischen Schwester fristet der wohlhabende ehemalige Schweinemetzger Kiermaier sein bequemes, aber ziemlich langweiliges Rentnerdasein.

Außer dem Weißwurstgenuss gibt es kaum Höhepunkte. Als jedoch eines Tages eine hübsche junge Berlinerin ins Haus schwirrt, erfasst den früh Verwitweten eine jähe Begierde, er dreht durch und will unbedingt noch einmal Ehemann werden. Bei der Premiere im Altusrieder Theaterkästle erlebten die Zuschauer eine geografische Verschiebung. Nicht in München, sondern in Kempten ist Kiermaier daheim. Wie alle anderen, die wenigen «Preußen» ausgenommen, spricht er ein handfestes Allgäuerisch. Hubert Weizenegger (zugleich Hauptdarsteller) hat den altbayerischen Thoma-Text mit großer Akribie in seine heimatliche Mundart übertragen und so auf Altusried eingestimmt. Das Publikum fühlte sich daher sofort angesprochen und in die lustige Handlung hineingezogen.

Anschauliches Bühnenbild

Auch das Bühnenbild wurde von Gerhard Menger sehr anschaulich auf Kempten eingestellt. Im dritten Akt genießt man einen herrlichen Blick vom Mariaberger Biergarten hinunter zur Stadt mit den Türmen der Basilika St. Lorenz.

Auftraggeber des Thoma-Abends ist der «Trachtenverein DKoppentaler», Regie führte Hans-Martin Breisinger, der in Altusried erstmals inszenierte. Er kann sich mit seinem Debüt sehen lassen. Breisinger bringt viel Schwung in die Handlung, gibt der Kemptener Note ein glaubwürdiges Gesicht.

Den Privatier Kiermaier spielt Hubert Weizenegger. Er ist kein alter, schon verbrauchter Mann, sondern ein Schalk, dem das Feuer noch dicht unter der Haut brennt. Kernig und sehr temperamentvoll agiert Gabriele Prestele als umsichtige Schwester Fanny.

Helmut Dorn setzt als Kiermaier-Freund Festl vor allem auf die leichtfüßigen, zynischen Töne, wenn er die Kiermaier-Narretei kommentiert. Mehr servil gibt sich der Hilfslehrer Hingerl (Florian Aicher), schelmisch der halbwüchsige Seppl (Ludwig Grrieshaber).

Ursula Greither ist eine resche Köchin. Der verliebte Kunstmaler (Felix Grieshaber) hat nur einen kurzen Auftritt im Älplerkostüm.

Überzeugende Preußen

Überzeugend ist auch die «preußische» Minderheit. Joseph Müller kommt zwar nicht aus dem «Norden», spielt aber den trinkfesten Poppendieck mit Berliner Bravour. Brit Wahl ist das kesse Berliner Julchen, das sich auch im Allgäuer Umfeld voll behauptet.

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