Marktoberdorf / Kaufbeuren
Lohnsteuer: Immer kompliziertere Formulare

Die Einkommenssteuererklärung ist eine verzwickte Angelegenheit. Das weiß jeder, der keinen Steuerberater bemüht, und das weiß auch das Finanzamt. «Das liegt an dem unsäglich ausufernden Recht, das alles immer noch umfassender und komplizierter regelt», sagt Maximilian Stock, Leiter des Finanzamts Kaufbeuren. Dass die «Bürokratie» nicht weniger sondern mehr wird, belegt ein Leser der Allgäuer Zeitung mit Zahlen. Er hat die Seiten der aktuellen Vordrucke und Ausfüllhilfen mit denen aus dem Vorjahr verglichen.

Das Ergebnis: Die «Anleitung zur Einkommenssteuererklärung» hat um vier Seiten (20 statt 16) zugenommen. Der Vordruck der Steuererklärung selbst plus der «Anlage N», die jeder Arbeitnehmer ausfüllen muss, ist nach Angaben des Lesers aus Marktoberdorf von sieben auf neun Seiten angewachsen.

Arbeit nach zweierlei Recht

«Ich habe nicht überprüft, ob die Formulare so zugenommen haben», sagt Finanzamtschef Stock: «Aber ich bezweifle das nicht.» Er gibt zu, dass auch Anleitungen «die Steuererklärung nicht immer verständlicher machen».

Stock zufolge liegt das daran, dass das Steuerrecht zu viel Einzelfälle berücksichtige: «Eine Vereinfachung scheitert immer wieder an Interessenverbänden, die sich für ihre Klientel einsetzen und damit das Recht verkomplizieren.» Was auch die Arbeit des Finanzamts erschwere. «Da vielfach noch Steuererklärungen zum Jahr 2008 eingereicht werden, arbeiten die Bearbeiter nach zwei verschiedenen Rechten», so Stock. Das führe dazu, dass die Mitarbeiter ständig auf dem neuen Stand bleiben müssten, aber «das Alte» auch nicht aus dem Auge verlieren dürften.

Viele Steuergesetze seien zudem verfassungsmäßig «fragwürdig», kritisiert der Finanzamtschef. «Immer mehr Punkte können nur vorläufig geklärt werden.» Die letztlich von Karlsruhe kassierte Kürzung der Pendlerpauschale, die zu vielen Einsprüchen geführt hatte, sei kein Einzelfall gewesen. «Aktuell geht es darum, ob die Erbschaftsschenkungssteuer dem Grundgesetz entspricht und ob die Beiträge zur Rentenversicherung vorgezogene Werbungskosten sind», so Stock. Auch er würde sich ein einfacheres Recht wünschen, das auf ein Blatt Papier oder einen Bierdeckel passt. Stock: «Leider hat die Regierung die Ideen eines Professors Kirchhoff nicht berücksichtigt.»

Das regt auch den Seiten zählenden Leser auf, der namentlich nicht genannt werden möchte: «Die Steuererklärung soll angeblich auf eine Seite passen», kritisiert der Marktoberdorfer. «Vorerst sind es aber mehr statt weniger Seiten.»

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