Marktoberdorf
Liebeslust, Liebesfrust und knisternde Erotik

Ein ganzer Abend nur für die Liebe: Damit lockte die Theaterschule mobilé gleich nach dem Fest der Liebe soviel Publikum in die Aufführung «LiebesLeben», dass die Premiere restlos ausverkauft war und einige Gäste unverrichteter Dinge wieder weggeschickt werden mussten. Liebe in allen Facetten, erotisch, leidenschaftlich, zerstörerisch, himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, gesungen, gespielt und vorgelesen, das erwartete und begeisterte die Zuschauer in einer dreistündigen Szenencollage, inszeniert von Monika Schubert.

Das Publikum musste sich vorsehen bei all diesem Liebestaumel, denn auf der Bühne des mobilé wechselte die Temperatur schlagartig von lauwarm auf kochend heiß und darauf wieder eiskalt: Gefühlt kalt wurde es bei «Zweikampf» von Fitzgerald Kusz, in dem sich ein altgedientes Ehepaar (gespielt von Reinhold Glas und Michaela Gebhart) mit eingeschliffener Routine bekriegte. Heiß und handgreiflich her ging es dagegen im Eifersuchts-Duett aus der Dreigroschenoper zwischen Lucy Brown (Theresa Eder) und Polly Peachum (Sophie Seelos).

Das ganze Wechselbad der Gefühle enthielt die Szene «Der Soldat und die Dirne» aus Schnitzlers «Reigen», mit viel Leidenschaft gespielt von Sonja Reischl und Julian Kees.

Machtausübung und Verführung standen im Vordergrund in «Fräulein Julie» von Strindberg, wo die Gutsherrentochter die Zuneigung des untergebenen Dieners Jean ausnutzt. Dargestellt wurde das ungleiche Paar unter die Haut gehend von Minni Kirchner und Tobias Guggemos.

Dass Liebe auch manchmal zum Lachen sein kann, zeigte eine Rollentauschszene von Moni Schubert und ein köstliches Familienfrühstück, bei dem ein «Knutschfleck» am Hals der flügge werdenden Tochter für Turbulenzen sorgte. Das Ensemble widmete sich dem Thema Liebe aber nicht nur darstellerisch, sondern auch musikalisch und poetisch: Liebesbriefe berühmter Männer, Liebesgedichte, von romantisch bis dadaistisch standen ebenso auf dem Programm wie Liebeslieder, -schlager und -arien. Bei letzteren konnten besonders Michaela Gebhart und Tobias Guggemos stimmlich glänzen.

«Liebevoll» begleitet wurden sie von Tina Neureuther am Klavier und Harald Rüschenbaum am Schlagzeug.

Von einer Rolle in die andere

Star des Abends war das wunderbar wandelbare, neunköpfige Ensemble, von dem jedes Mitglied scheinbar mühelos von einer Rolle in die andere schlüpfte. Am Ende gab es Beifall im Stehen und Bravorufe für die hervorragenden schauspielerischen Leistungen und für die bemerkenswerte Inszenierung.

Ob es ein Zufall ist, dass das Thema Liebe nicht nur in Marktoberdorf gut ankommt, sondern gerade auch in der Augsburger Komödie im szenischen Liederabend «Waschsalon Wunderlich» das Publikum in Scharen anzieht und bewegt? Große Gefühle gegen die allgemeine Depression, da liegt die mobilé-Produktion voll im Trend.

Die letzte Vorstellung findet heute, Mittwoch, um 20 Uhr statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019