Leuchtmarkierung im Visier

Kaufbeuren (avu). - Für erkrankte ehemalige Radarsoldaten der Bundeswehr geht der Kampf um Wiedergutmachung weiter, nun jedoch an einer weiteren Front. In Kaufbeuren tagte ein neuer Arbeitskreis des Bundes zur Unterstützung Strahlengeschädigter mit dem Ziel, die Wirkung der Leuchtfarbe in den Radarstellungen, auf Armaturen von Flugzeugen und Fahrzeugen der Bundeswehr aufzuarbeiten. Nach Angaben des Opferbundes soll die radioaktive Strahlung der Leuchtfarbe für Krebserkrankungen zahlreicher Soldaten, auch im Allgäu, verantwortlich sein. Der Streit zwischen krebskranken Bundeswehrangehörigen und dem Bundesverteidigungsministerium über die Wiedergutmachung dauert an. Die Radarsoldaten werfen dem Ministerium vor, von den Gefahren durch Röntgenstrahlen bei der Arbeit am Radar an zahlreichen Standorten der Bundeswehr und der früheren Nationalen Volksarmee in den 60er und 70er-Jahren gewusst und nicht für ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gesorgt zu haben. 'Wir haben bisher immer über Röntgenstrahlung und hochfrequente Strahlung aus den Radargeräten geredet', sagt Heinz Dankenbring aus Kaufbeuren, Allgäuer Beauftragter des bundesweit tätigen Opferbundes. 'Die Belastung durch radioaktive Stoffe aus den Leuchtanzeigen der Bedienungsgeräte wurde bisher aber gar nicht diskutiert.' Als Vorsitzender einer neuen Arbeitsgruppe des Opferbundes, die sich mit der Rolle der Leuchtfarbe RA 226 befasst, möchte er das ändern: 'Die Bundeswehr wusste alles über die Gefährlichkeit der Leuchtfarbe', so Dankenbring. Bis zu 50000 Soldaten seien möglicherweise betroffen.

Vorwurf der Verschleppung Laut Dankenbring ist die Verarbeitung der zum Teil nicht versiegelten Leuchtfarbe RA 226 an neuen Geräten der Bundeswehr seit 1960 verboten. Die Anweisung sei 1980 erneuert worden und erstrecke sich seither auf alle Geräte. 'Die Leuchtfarbe findet sich aber noch heute auf vielen Armaturen, die in der Dunkelheit bedient werden', so Dankenbring. 'Dabei müsste sie längst als Sondermüll entsorgt worden sein.' Am morgigen Dienstag hat die Arbeitsgruppe einen Termin im Bundesverteidigungsministerium bei Staatssekretär Walter Kolbow. Dort soll der Streit über die Bewertung der schädlichen Strahlendosis und die Belastung durch radioaktive Stoffe aus Leuchtanzeigen auf den Tisch kommen. Besonders harmonisch dürfte dieses Treffen jedoch nicht verlaufen. Wie bereits dem früheren Verteidigungsminister Rudolf Scharping werfen die betroffenen Soldaten auch dem jetzigen Ministeriumsleiter Peter Struck eine 'Verschleppung' in der Wiedergutmachungsfrage vor. Obwohl eine unabhängige Expertenkommission für Strahlenschutz im vergangenen Sommer großzügige Entschädigungen empfohlen hatte, seien bisher erst 300 von 3000 Krebserkrankungen als Unfälle anerkannt worden, so Dankenbring, der dem Ministerium vorwirft, auf den 'Faktor Zeit' zu setzen. Er selbst habe in der Kaufbeurer Region sieben Frauen verstorbener Soldaten in dieser Angelegenheit zu Witwenrenten verholfen. Dankenbring: 'Hinter jedem Fall steckt ein schlimmes Schicksal.'

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