Allgäu
Letzter Alarm über die Polizei

Kaufbeuren l dh l «Achtung hier Polizeiinspektion Kaufbeuren, das ist die letzte monatliche Alarmierung, in Zukunft übernimmt diese Aufgabe die Integrierte Leitstelle.» Mit diesen Worten von Dienstgruppenleiter Charly Eichinger ging am Samstag Mittag eine Ära zu Ende. Nach 127 Jahren heulten die Feuer-wehrsirenen in der Stadt zum letzten Mal auf Veranlassung der Polizei.

Es war kein Zufall, dass Eichinger den letzten Probealarm auslöste: «Wenn er Dienst hatte, war immer ein Einsatz», erinnert sich Stadtbrandmeister Andreas Opel. Kein Wunder, dass die Feuerwehrmänner ihre Freizeitaktivitäten oft nach dem Dienstplan des Polizeibeamten richteten. Eichinger holte auch schon mal zu nächtlicher Stunde Stadtbrandrat Thomas Vogt im Schlafanzug zur Beurteilung eines Schwelbrandes. Aber er zitierte auch Feuerwehrler zum polizeilichen «Strafgericht», die im Garten von Stadtbrandinspektor Wolfgang Zwinger Unsinn getrieben hatten - ein Zeichen dafür, wie gut die Zu-sammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr war.

So hatten sich die Dienstgruppenleiter auch nie über die zusätzliche Aufgabe beklagt, obwohl sie mit Polizeiarbeit bereits mehr als ausgelastet waren. Im Gegenteil: Oft übernahmen die Beamten noch zusätzliche Arbeiten wie die Benachrichtigung von Elektrizitäts- und Gaswerken und die Kommunikation mit der Feuerwehr. Die qualifizierte Alarmierung in Kaufbeuren fand denn auch «weithin Anerkennung», so Stadtbrandrat Vogt. Da spielt es keine Rolle, dass die Polizei ab und zu an die Probealarmierung erinnert werden musste. Oder dass bei Einführung der computergestützten Alarmierung in den 80er Jahren etliche Fehlalarme die Feuerwehrler aus den Betten rissen: Die Polizei hatte dann «am scharfen System» geübt.

Weniger störanfällig

Weniger störanfällig waren da die ersten Alarmierungen 1882, als der Wächter auf dem Fünfknopfturm erstmals eine Telefonleitung zur Polizeiwache erhielt. 1908 wurde eine elektrische Feuermelderanlage eingerichtet, deren Zentrale sich in der Polizeiwache - damals noch im Rathaus - befand. In den 70er Jahren führte man das Alarmierungssystem «BASIS» ein, von dessen stets aktuellen Daten auch die Polizei profitierte, wie der stellvertretende Inspektionsleiter Reinhard Janko betont. Er hofft wie die Feuerwehrmänner, dass der enge, gute Kontakt zwischen Feuerwehr und Polizei auch nach der Umstellung auf die Integrierte Leitstelle in Kempten erhalten bleibt. Dabei soll der Funkwecker helfen, den die Vertreter der Feuerwehr der Polizei zum Abschied schenkten. Einen verbindenden Beitrag leistet auch Charly Eichinger: Seine beiden Kinder sind Feuerwehrler - und die Tochter lässt sich zur Polizeibeamtin ausbilden.

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