Legauer ziehen vor Kameras vom Leder

Von Volker Geyer, Legau - Der 'Post'-Saal in Legau ist randvoll. Die Musikkapelle schmettert einen Marsch von der Bühne und von der Decke brennen zahlreiche Scheinwerfer auf die Gäste herunter. Beobachtet von vier Kameras warten sie auf ihren großen Auftritt im Bayerischen Fernsehen. Dann geht's los: Moderator Dietmar Gaiser nimmt auf seinem Stuhl Platz und prostet mit einem Steinkrug in die Runde. Dann begrüßt er die Zuschauer im Saal und vor den Bildschirmen: 'Willkommen bei ,Jetzt red i''. Über zwei Stunden lang nutzen die Menschen aus dem Illerwinkel die Gelegenheit, um ihre Sorgen und Nöte in die Mikrofone des 35-köpfigen TV-Teams zu sprechen. Ausgestrahlt wird die Aufzeichnung am Mittwoch, 5. Mai, ab 20.15 Uhr im Dritten. Dann werden im Münchner Fernseh-Studio Vertreter der Staatsregierung zu den angesprochenen Problemen Stellung nehmen. Weit vorne auf der Themenliste der Zuschauer steht der Sparkurs von Ministerpräsident Edmund Stoiber. So fordert Norbert Endres aus Maria Steinbach, dass die Kürzungen der Zuschüsse für die Schützenvereine zurückgenommen werden. 'Die Trachtler erhalten jetzt ja auch 400000 Euro, nachdem sie demonstriert haben', sagt der Schütze und fragt in Richtung Regierung: 'Oder bekommen nur die was, die am lautesten schreien?' Von drohenden Einsparungen kann auch Beppo Haller, Leiter der 'Regens Wagner' Wohnheime und Förderstätten in Lautrach, ein Lied singen. Nach seinen Worten will der mit 80 Millionen Euro in der Kreide stehende Bezirk Schwaben fünf Prozent weniger für die Behindertenhilfe ausgeben. 'Dann würden uns 25 Stellen fehlen', klagt Haller, in dessen Einrichtung etwa 250 Behinderte gefördert werden. Großen Applaus ernten zwei Frauen, die seit vielen Jahren in einem Heim der Stiftung wohnen, als sie den Bezirk mit mutigen Worten auffordern, den Rotstift nicht bei der Betreuung von Behinderten anzusetzen. Was Zuschüsse anbelangt, hängt die Umweltstation in Legau derzeit 'im luftleeren Raum', wie deren Leiter Jürgen Aust betont. 'Wir brauchen Planungssicherheit', appelliert er ans Umweltministrium. Schließlich wolle sein Team in Zukunft noch mehr Jugendlichen die Natur im Illerwinkel näher bringen. Um eine Finanzspritze aus der Staatskasse bittet auch Edmund Abel im Namen des Fördervereins 'Legauer Freibad'. Das marode Bad wird derzeit in einen Naturbadeteich verwandelt. 'Der Verein hat schon fast 100000 Euro für das Projekt gesammelt', sagt Abel: 'Aber das reicht halt noch nicht.' Trotz der vielen Probleme kommt der Spaß an diesem Abend nicht zu kurz: Mit pfiffigen Worten plädiert beispielsweise Christine Merk für einen Trampelpfad entlang der Kreisstraße von Legau in Richtung Ehrensberg. Dann müssten Pilger, die dem Jakobsweg folgen, nicht mehr auf der viel befahrenen Straße gehen. Die Lacher auf seiner Seite hat auch der letzte Fährmann im Illerwinkel, Sepp Fischer. Ihm stößt es sauer auf, dass er für sein Aluboot alle zwei Jahre eine neue TÜV-Plakette braucht: 'Das kostet nur unnötig Geld. Eine Überprüfung alle sechs Jahre würde völlig ausreichen. Schließlich ist bei mir im Boot noch keiner ersoffen.'

Bauern haben wenig zu lachen Wenig zu lachen haben dagegen die Landwirte. Mehrere Bauern klagen über 'unsinnige' EU-Richtlinien und sinkende Milchpreise. Der angedachte Erprobungsanbau von genmanipuliertem Mais in Bayern sorgte ebenfalls für Diskussionsstoff. Bereits vor Ort versprechen Landrat Dr. Hermann Haisch sowie die Rathauschefs Andreas Tillich (Legau) und Arthur Dorn (Lautrach) den Bürgern Hilfe bei ihren Problemen. So sagt Haisch einem besorgten Familienvater spontan den Bau eines Zauns um ein Regenrückhaltebecken zu, sodass Eltern keine Angst mehr um die Sicherheit ihrer Kinder haben müssen. Inwieweit sich die Politiker in München den Sorgen der Legauer annehmen, wird sich am 5. Mai im Fernsehstudio zeigen.

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