Immenstadt
«Lebenslänglich» für Opfer und Täter

3Bilder

Ein Metronom gibt den Takt an. Bei jedem Ausschlag des Pendels geht ein Schüler durch die Tür in den Werkraum im Erdgeschoss des Immenstädter Gymnasiums. Jeder Taktschlag bedeute einen Fall von sexuellem Missbrauch weltweit, erklärt Sarah Knobloch den Anwesenden die Installation. Dr. Beate Merk, bayerische Justizministerin, ist auch unter ihnen und lauscht interessiert den Ausführungen der 16-Jährigen.

Die Schülerin hat einen interaktiven Parcours zum Thema «sexueller Missbrauch» mit Hilfe von Klassenkameradinnen aufgebaut. Drei Tage stellten sich Schüler der 8., 9. und 10. Klassen sowie deren Eltern den Beiträgen der Mädchen im Dialog.

«Lebenslänglich» müssten die Opfer von Sexualstraftaten unter ihren seelischen Wunden leiden. Deshalb habe Sarah ihren Parcours so benannt. «Es kann nicht sein, dass bei Sexualstraftaten oft nur mit Bewährung und bei Vermögensdelikten mit Gefängnis geahndet wird.» Dieses Ergebnis zeigten laut Sarah Fallanalysen im Fach «Recht». «Das hat mich so aufgeregt, dass ich mich gleich an die Recherche für eben dieses Schulprojekt gesetzt habe.»

Merk: «Seelischer Mord»

Ähnlich kommentierte Dr. Beate Merk das Ungleichgewicht: «Sexueller Missbrauch ist seelischer Mord» Sie kämpfe seit Jahren dafür, dass jeder sexuelle Missbrauch als Straftat geahndet werde: «Das heißt mindestens ein Jahr Gefängnisstrafe», so Merk. Beeindruckt von Sarahs Konzept, das die Schülerin der Ministerin im Vorfeld geschickt hatte, ist Merk nach Immenstadt gereist: «Das muss man honorieren.»

Nur um «großes Aufsehen» zu erregen, habe die 16-Jährige das Thema aber nicht bearbeitet: «Ich wollte das Tabu unter Jugendlichen enttabuisieren, Anlaufstellen für Opfer aufzeigen und meine Mitschüler sensibilisieren.» Der Weiße Ring ist so eine Anlaufstelle, die sich um Opfer unbürokratisch und anonym kümmert. Ehrenamtliche Mitarbeiterin Diethild Gert forderte die Jugendlichen auf, sich im Falle eines Missbrauchs sofort bei den richtigen

Stellen zu melden. Die Reaktionen der Schüler auf die dargestellten Missbrauchsfälle mit Lösungen der Justiz waren kontrovers. Pascal Theisen aus Stein war «geschockt» darüber, dass alle zwei Minuten ein sexueller Missbrauch in Deutschland geschieht. Der 16-Jährige will nun aufmerksamer durchs Leben gehen. «Lebenslänglich» forderte die 18-jährige Ilknur Özcan für die Täter: «Ich glaube nicht, dass ein Sexualstraftäter reintegriert werden kann.» Er habe schließlich ein Leben zerstört, lebenslänglich.

Mehr zum Thema im Internet:

www.kibs.de

www.weisser-ring.de

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019