Lauchdorf
Lauchdorf könnte auf einmal um 200 Jahre altern

Geschichte zu schreiben ist manchmal Glück. Wer käme schon auf die Idee, etwas über Friedberg oder Füssen zu lesen, um dabei etwas über Lauchdorf zu erfahren? Doch im vierten Buch über das historische Bistum Augsburg von 1883 steht bei diesen Landgemeinden eine interessante Anmerkung, meint die Lauchdorfer Ortshistorikerin Klara Solaria Leuterer. Nämlich die möglicherweise erste Erwähnung des Baisweiler Ortsteils, die ihn rund 200 Jahre älter macht.

Erste Hinweise

Erste Hinweise auf Lauchdorf datierten gemäß einer Urkunde auf das Jahr 1123. Darin wird eine Schenkung bestätigt, die den Ort «Louctorf» oder «Lohdorf» betrifft, berichtet Leuterer. Die 60-Jährige hat die bislang einzige Chronik über den Ortsteil geschrieben. Doch auf der Suche nach Quellen für eine weitere Arbeit rief sie der Baisweiler Gregor Mayr an, der in Baisweil an dessen Geschichte forscht. Er sei in einem Buch auf eine Erwähnung von Lauchdorf gestoßen. Und tatsächlich fand Leuterer im «Bisthum Augsburg» von Dr.

Antonius von Steichele, Erzbischof von München und Freising, unter dem Landkapitel «Friedberg, Füssen, Höchstätt, Hohenwart» einen Eintrag: 919 schenkte eine edle Frau Azila von Mauerstetten die Kirche zu Ruderatshofen mit Gütern und Eigenleuten dem Kloster St. Mang in Füssen, heißt es darin. Den Wahrheitsgehalt sollen eine ganze Reihe von Personen bezeugen. Darunter auch ein «Eticho de Locdorf».

Doch die originale Urkunde ist nicht mehr vorhanden, denn nur eine Abschrift sei im 12. Jahrhundert handschriftlich in ein Evangeliarium eingetragen worden. «Die hierüber noch vorhandene Urkunde erregt zwar nach ihrer Fassung Bedenken, die in ihr niedergelegte Tatsache dürfte aber doch auf Wahrheit beruhen», meint dennoch Steichele. Das würde Leuterer nur bestätigen.

In ihrer Ortsgeschichte von 2002 schreibt sie nämlich, dass die erste Lauchdorfer Pfarrkirche am alten Friedhof wahrscheinlich im neunten Jahrhundert gebaut wurde und Peter und Paul gewidmet war. «Anhand des Patronats kann in etwa das Alter einer Kirche bestimmt werden - in jener Zeit wurden die Gotteshäuser überwiegend den sogenannten führenden Persönlichkeiten des Himmels geweiht.» So würde Lauchdorf um 204 Jahre altern.

Leuterer interessierte sich schon früh für ihre Heimat. Als sie 1995 eine Festschrift für die Glockenweihe schreiben wollte, durfte sie ins örtliche Archiv: «Und da war es geschehen.» Seitdem forschte sie in diversen Archiven oder rettete und wertete «vier Autoladungen» Material vom Dachboden des abgerissenen alten Pfarrhofs aus. 2002 brachte sie dann mit Unterstützung der Gemeinde die Geschichte Lauchdorfs heraus.

Seitdem ist sie die inoffizielle Dorfhistorikerin und Ansprechpartnerin für Einwohner und Interessierte.

Derzeit arbeitet sie mit Anton Stumpe an einer Häusergeschichte als Bildband. «Ab 1750 habe ich alle Häuser. Aber ich will natürlich wissen, was vorher war.» Das muss auch der Kollege Gregor Mayr in Baisweil. Denn in der gleichen Urkunde von 919 wird auch ein «Salcho de Baizwil» genannt - offiziell wird der Ort aber bislang erst im Jahr 1130 urkundlich erwähnt.

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