Kempten
Langes Warten auf kurzen Piks gegen Schweinegrippe

«Nein, wir haben auch keinen Impfstoff mehr. Rufen Sie uns in ein paar Tagen wieder an, vielleicht wissen wir dann mehr»: Diese Auskunft bekommen derzeit viele, die sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen wollen. Von einigen Tagen bis zu Wochen müssten Patienten vertröstet werden, bestätigen Apotheker und Ärzte. Unterdessen ist unklar, wie viele Menschen sich schon mit der Schweinegrippe infiziert haben. Seit rund einer Woche müssen Ärzte die Fälle nicht mehr ans Gesundheitsamt melden.

In der Kinderarztpraxis im Lyzeum beispielsweise werden täglich 20 bis 50 an Schweinegrippe erkrankte Kinder behandelt, sagt Dr. Rudolf Kappes. Nicht immer gehe das Virus mit «klassischen» Grippesymptomen wie etwa Fieber einher, viele Kinder litten auch an Durchfall und Erbrechen. Mit der Zahl der Erkrankungen sei auch die Impfbereitschaft gestiegen, weiß der Obmann der Allgäuer Kinder- und Jugendärzte. Allerdings stehe derzeit nicht genügend Serum zur Verfügung - «wir wissen nicht einmal, wann die nächste Lieferung kommt», meint Kappes. 500 Dosen habe die Praxis bestellt - höchstens 200 habe man bislang erhalten.

Das deckt sich mit den Erfahrungen von Apothekersprecher Ludwig Pfefferle: «Wer Ende Oktober Impfstoff geordert hat, hat diesen immer noch nicht.» Der pharmazeutische Großhandel, der die Apotheken von Ulm über Füssen bis Oberstdorf beliefere, bekomme derzeit selbst nur etwa zehn 500er Packungen die Woche. Macht 5000 Impfdosen für das gesamte Gebiet. 1200 Dosen hat Pfefferle seit Beginn der Aktion vor einem Monat verteilt - womit man sogar gut dastehe.

678 Fälle von Schweinegrippe sind beim Oberallgäuer Gesundheitsamt registriert. 255 davon stammen aus Kempten. «Man muss jedoch von einer viel höheren Dunkelziffer ausgehen», sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Alfred Glocker.

Denn inzwischen müssten nur noch die Labore ihre positiven Tests melden - die dafür nötigen Abstriche würden allerdings von vielen Ärzten nicht mehr durchgeführt.

Dadurch, so sagt Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer, sei es nicht einfach, die Lage in Kindertagesstätten zu beurteilen. Wie berichtet, blieb das Haus für Kinder und Eltern der Diakonie in der Lindauer Straße wegen mehrerer Grippefälle eine Woche lang geschlossen. Nach der Wiedereröffnung habe man die Eltern daher gebeten, die Kinder bei Symptomen generell daheim zu behalten.

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