Landschaft ist unser größter Schatz

Reinhold Messner gibt nachhaltigem Tourismus in der Alpenregion eine Chance Lindau (bkl). Als Wahlkampf sah Reinhold Messner seinen Vortrag in der voll besetzten Inselhalle in Lindau nicht an. 'Ich sympathisiere mit den Grünen, aber ich kandidiere nicht', stellte der Südtiroler klar, der fünf Jahre lang im Europäischen Parlament war. Dennoch war Messner auf Einladung der Grünen an den Bodensee gekommen, die dort zur Zeit anlässlich der Europawahl 2004 eine dreitägige Schiffstour unter dem Motto 'Grenzenlos Grün' unternehmen.

Bei seinem Vortrag 'Wie kann der Tourismus in den Alpen in einer globalisierten Welt erfolgreich sein?' ging Messner nicht auf Lindau und das Allgäu im speziellen, sondern auf die Alpen im allgemeinen ein. Und dabei war der Bergsteiger und Bergbauer in seinem Element. 'Tourismus ist mein Spielfeld.' Und seine Botschaft war deutlich: 'Die Globalisierung ist nichts Böses.' Doch die Alpenregionen müssten ihre lokalen Werte mehr respektieren und pflegen.16 Millionen Menschen leben in den Alpen. Damit für sie das Leben lebenswert bleibt, aber dennoch Tourismus stattfinden kann, gibt es für Messner nur eine Möglichkeit: Nachhaltiger Tourismus muss her. Der beinhalte allerdings nicht, dass immer mehr Lifte und Hotels in immer größere Höhen gebaut werden. 'Bis etwa 2200 Meter kann der Mensch leben. Ab dieser Höhe sollten wir die Infrastruktur stoppen.' Ein Konzert in 3000 Meter Höhe zähle daher nicht zu nachhaltigem Tourismus. Ganz im Gegenteil, meint Messner: 'Unsere alpine Landschaft ist etwas einmaliges. Und wenn wir es richtig machen, dann ist sie unser größter Schatz und wichtigster Wert. Wir dürfen unsere Ressourcen deshalb nicht verschleudern.'Die Gäste kämen schließlich nicht in die Berge, um sich in einer von Hotels und Windrädern zugebauten Landschaft zu erholen, so Messner. 'Wir müssen den Leuten das anbieten, was sie bei uns suchen: Natur und Stille.' Deshalb hält er es für besonders wichtig, dass bestimmte Abschnitte in den Alpen nicht für motorisierte Fahrzeuge erreichbar sind. Eine flächendeckende Erschließung, damit der Tourist überall hinkommt, sei der falsche Weg. 'Den Lärm müssen die Menschen schon in ihren Städten im Alltag erleben.'Um der Bevölkerung in den Berggebieten ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren, sei es nötig, den lokalen Tourismus, die regionale Kultur und die ganz typische Landschaft zu verzahnen. 'Wir müssen bei unseren Produkten bleiben. Das für die Region ganz Spezielle hat die größeren Chancen, weil man es nicht überall bekommt.'Der 60-Jährige spricht aus Erfahrung. Er betreibt in Südtirol einen Bio-Hof und ein Hotel, das nur mit einem Bus erreichbar ist. Dort bietet er heimischen Wein und Tiroler Speck an. Aber Speck ist nicht alles. 'Die Basis ist unsere Landschaft.'Während seines Vortrages erinnerte Messner auch an die Vergangenheit. Früher seien die Bergbauer kleine landwirtschaftliche Selbstversorger gewesen, die alle vorhandenen Ressourcen verwerteten. 'Diese Kultur ist verloren gegangen', bedauerte Messner. Allerdings sei dies nicht überall der Fall: Im Allgäu gebe es noch einige Bauern, die sich um die Landschaftspflege kümmern. 'Aber im Süden der Alpen sieht es ganz schlimm aus. Da gibt es kaum noch Hoffnungen, die Landwirtschaft aufrecht erhalten zu können.'In den letzten 150 Jahren sei in den Bergregionen das entstanden, 'was wir heute Tourismus nennen', so Messner. Erst wurden Wege und Hütten gebaut, dann kamen Hotels und in den 30-er Jahren Seilbahnen und Pisten dazu, 'damit sich die Leute austoben können'. Einer Zuhörerin, die zu bedenken gab, dass genau diese Liftbetriebe heute für einige Bauern das Auskommen bedeuten, gab Messner recht. 'Natürlich müssen wir die vorhandene Infrastruktur nutzen. Aber wir müssen auch einsehen, dass wir keine zusätzliche brauchen.'Am Ende seines Vortrags rief Reinhold Messner dazu auf, über vorhandene Möglichkeiten lokal zu diskutieren. Jeder könne in seinem Verantwortungsbereich etwas tun: 'Es funktioniert im kleinsten Raum. Wir müssen die Ansprüche allerdings an uns selbst stellen und nicht warten, bis die Gemeinde, die Regierung oder die EU etwas für uns tut.'

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