Längst nicht jeden Baum darf man einfach umsägen

Kempten (pa). - Mein Baum gehört mir - das gilt grundsätzlich auch in Kempten. Trotzdem darf man in vielen Fällen nicht einfach zur Kettensäge greifen, wenn einen die Buche, Birke oder Fichte auf dem eigenen Grundstück aus irgendeinem Grund stört. In großen Teilen der Stadt muss man nämlich vorher einen extra Baumfällantrag stellen, über den dann der Umweltausschuss entscheidet. Auf seiner jüngsten Sitzung sagte das Gremium zu derartigen Anträgen fünfmal ja, dreimal nein und einmal 'jein'. Eine generell gültige Baumschutzverordnung hat Kempten im Gegensatz zu manch anderen Städten zwar nicht. Doch sind auch in weiten Teilen des Stadtgebiets die Bäume geschützt: Entweder per Bebauungsplan oder durch die Gestaltungssatzung. Letztere gilt für sogenannte homogene Bereiche wie etwa das Haubenschloßgebiet oder historische Bereiche wie die Stiftsstadt. Wer in diesen 'gewachsenen' Gebieten ohne Genehmigung einen Baum umlegt, muss mit einem saftigen Bußgeld rechnen. Stellt er ordnungsgemäß einen Fällantrag, schaut sich Roland Sauter vom Umweltamt vor Ort die Sache an und gibt eine fachliche Empfehlung an den Umweltausschuss ab, der dann letztlich in jedem Einzelfall den Daumen hebt oder senkt. Grundsätzlich nein zur Kettensäge sagt das Gremium bei gesunden Bäumen, wenn sie 'stadtbild- oder standortprägend' sind, also aufgrund ihrer Größe oder aus anderen Gründen besonders ins Auge fallen. Wenn ein Baum krank ist oder umzukippen droht, eine Gefahr oder unzumutbare Beeinträchtigung darstellt, stimmt der Ausschuss der Fällung zu. Laub in der Dachrinne oder Ärger mit den Nachbarn, häufige Begründungen für einen Fällantrag, reichen allein jedenfalls nicht aus. In fünf Fällen genehmigte der Ausschuss auf seiner jüngsten Sitzung aus verschiedenen Gründen die Fällung einzelner oder mehrerer Bäume. In einem anderen Fall darf eine absterbende Fichte umgesägt werden, doch eine Birke direkt daneben muss stehen bleiben. Und drei Anträge lehnte das Gremium rundweg ab. Typisches Beispiel dafür (siehe Foto) ist eine Dreiergruppe von Birken im Haubenschloß-Viertel. Im Gegensatz zu Befürchtungen des Antragstellers sind die Bäume laut Sauter nämlich vital und trotz ihres etwas schrägen Wuchses standfest. Und vermeintliche Risse am Stamm seien die normalen Schrunden einer Birkenrinde.

Mehr Sonne ins Freibad Auch die Stadtverwaltung informiert regelmäßig den Umweltausschuss über geplante Baumfällungen. Diesmal hatte Betriebshofleiter Uwe Gail insgesamt 33 Bäume auf der Liste. Davon sollen allein im Freibadgelände 19 Birken, Fichten und andere Bäume entfernt werden. Einige sind krank, die meisten aber müssen weichen, weil sie die Liegewiese übermäßig verschatten. An geeigneten Stellen soll Ersatz nachgepflanzt werden. Die übrigen Kettensägen-Kandidaten auf der Liste sind über das Stadtgebiet verstreut und allesamt krank oder schon abgestorben.

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