Kaufbeuren
Ladendieb rangelt mit Frauen

«Die ganze Sache ist mir außerordentlich peinlich,» erklärte ein 52-jähriger Angeklagter vor dem Schöffengericht. Der Mann hatte im Juni nach einem Ladendiebstahl in einem Neugablonzer Discountmarkt mit zwei Mitarbeiterinnen und einer Kundin gerangelt. Ursprünglich wurde ihm von der Staatsanwaltschaft ein räuberischer Diebstahl zur Last gelegt. Dieser Vorwurf ließ sich jetzt nicht beweisen: Dem Angeklagten ging es laut eigenen Angaben und den Beobachtungen von Zeugen wohl primär um eine rasche Flucht - und nicht um die Beute, die aus sechs Bierdosen, einer Flasche Kräuterbitter und einer Packung Zigaretten im Wert von insgesamt 16 Euro bestand.

Die Verurteilung erfolgte schließlich wegen fahrlässiger Körperverletzung und Diebstahls geringwertiger Sache. Das Schöffengericht verhängte dafür eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Der Angeklagte war seinerzeit einer 73-jährigen Kundin aufgefallen, die beobachtete, wie er an der Kasse Zigaretten in seine Jackentasche steckte. Sie informierte die Kassiererin, die dem Mann nach draußen nachlief. Zunächst habe er ruhig auf ihre Vorhaltung reagiert und den Diebstahl abgestritten, erinnerte sich die Angestellte als Zeugin vor Gericht. Als jedoch die Rede auf die Polizei kam, sei er ausgerastet und habe sich mit ihr eine «wüste Rangelei» geliefert. Eine Kundin, die das Ganze vom Supermarkt aus sah, kam der Kassiererin zu Hilfe.

Die 40-Jährige schilderte jetzt, wie sie damals als Einzige die Initiative ergriff, «obwohl da auch Männer an der Kasse standen».

Der Richter würdigte ausdrücklich, «dass es doch Leute gibt, die sagen: Ich lass den Anderen in so einer Situation nicht allein.»

Die Kundin und die inzwischen ebenfalls herbeigeeilte Marktleiterin versuchten, den Angeklagten daran zu hindern, mit seinem Fahrrad zu flüchten. Als die Kundin einen Rempler abbekam, fiel sie über das Rad und zog sich Blutergüsse und Schürfwunden zu. Die Marktleiterin bat schließlich einen jungen Mann um Hilfe. Daraufhin gab der Angeklagte auf und ging mit zurück ins Geschäft.

Als die Polizei wenig später eintraf, stellte sich heraus, dass er unter seiner Blousonjacke auch noch einen Six-Pack Dosenbier und eine Flasche Kräuterlikör versteckt hatte. Vor Gericht erklärte der Angeklagte seinen Ausraster damit, dass er «echte Panik» bekommen habe und weg wollte. Er bedauerte den Vorfall und ging in der Beratungspause des Schöffengerichts auf die Zeuginnen zu, um sich persönlich zu entschuldigen.

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