Kultur-Kaleidoskop sprengt alle Grenzen

Von Veronika Krull Sonthofen Ein Kaleidoskop, und hätte es noch so viele Facetten, wäre dagegen ein farbloses Spielzeug gewesen: Das türkische Kinderfest im gesteckt vollen Haus Oberallgäu geriet, wieder einmal, zu einem kunterbunten Kulturspektakel mit Bauchtanz und Schuhplattler, mit Akkordeon und Chorgesang, Disco-Musik und Nationalhymnen, mit farbenfrohen Gewändern und Trachten, mit Döner und Apfelschorle. Alljährlich feiert die Türkei als einziges Land weltweit am 23. April einen offiziellen Feiertag für die Kinder. 1920 wurde das Kinderfest von Staatsgründer Atatürk eingeführt unter dem Motto Unsere Kinder sind unsere Zukunft. In Sonthofen gehört das Fest seit Jahren in den Reigen der Stadtfeste, veranstaltet von den türkischen Schülern und Eltern im südlichen Oberallgäu, den Lehrern und dem Ausländerbeirat. Eingeladen sind nicht nur türkische, sondern Kinder aus allen Nationen. Und das nicht nur, weil der Feiertag seit 1979 den erweiterten Titel Internationales Kinderfest trägt. Für Bürgermeister Hubert Buhl, der die türkischen Mitbürger mit einem einwandfreien Merhaba (Hallo) begrüßte, ein willkommener Anlass, das gute Miteinander in der Stadt zu loben.

Er freue sich, dass wir uns so gut verstehen, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Und das war an diesem Abend wahrhaftig kein Problem: Nicht nur die offizielle Begrüßungsrede durch den türkischen Lehrer Ahmet Ayd?nlar, auch die Moderation erfolgte stets zweisprachig. Keiner Übersetzung freilich bedurfte es bei den Tänzen: Ob sich nun der Nachwuchs des Burgberger Trachtenvereins Edelweiss neckisch mit dem Finger drohte, die (türkischen) Buben der kaukasischen Tanzgruppe den raffiniert verschleierten Mädchen mit wagemutigen Kunststücken imponierten oder türkische Schülerinnen gekonnt und klangvoll die metallplättchen-bestückten Hüften kreisen ließen die Körpersprache war auch ohne Dolmetscher verständlich. Auch der Zauberer, der stilecht in schwarzem wallenden Gewand und spitzem Hut à la Harry Potter auf die Bühne trat, konnte auf sprachliche Erläuterungen verzichten. So leicht nachvollziehbar waren seine Aktionen wenngleich die Prinzipien von Ursache und Wirkung auch dem aufmerksamsten Zuschauer verborgen blieben. Da mochten die jüngsten Fans, staunend mit offenem Mund, auch noch so nah am Bühnenrand drängeln keinem gelang es, die Geheimnisse von plötzlich verschwundenen qualmenden Zigaretten oder eines flugs aus des Lehrers Jacke herbei gezauberten BHs aufzudecken. Da blieb so manch rätselndem Kind doch nur der Biss in den Döner, der seinen wohlschmeckenden Inhalt nicht nur türkischen, sondern auch deutschen Gaumen ohne weiteres offenbarte. Und der eine oder andere vorwitzige Bub kniff auch schon mal in einen der zahlreichen Luftballons, der ebenfalls in der Regel preisgab, was in ihm steckte

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