Stadtgeschichte (6)
Künstler, Kaufmann, Bürgermeister

Schon zu Zeiten der Montforter Grafen, welche die Herrschaft Rothenfels wohl um 1330 erworben hatten, war Fischen unangefochten der Hauptort der Oberen Pfarreien. Immendorf, 1360 zur Stadt erhoben, wurde von den Landesherren dagegen zum Verwaltungssitz erkoren, in dem die wirtschaftlichen und politischen Fäden zusammenliefen. Die Bevölkerung beider Orte hatte durch ihre untertanenfreundliche Gesinnung im Bauernkrieg 1525 und unter dem rigorosen Freiherren Georg zu Königsegg um 1590 viel Leid zu erdulden.

Trotz allem entwickelte sich das Städtle als einzige Stadt des Oberen Illertales zu einem handwerklichen und wirtschaftlichen Zentrum, ohne dabei reich zu werden. Die Not im Allgäu war immer groß, und so war Immenstadt nur eine «Notige» unter anderen «Notigen» und mit den finanziell gut dastehenden Reichsstädten nie zu vergleichen.

Die durch die Stadt führende Reichsstraße, die Leinwandschau und die Stadtfreiheit haben ihr über Jahrhunderte ihre Zentralität bewahrt. Diesem Umstand hatte Immenstadt einen regen Zuzug zu verdanken, der auch von Bewohnern Fischens wahrgenommen worden ist. Manche von ihnen haben sich zu bekannten Persönlichkeiten unserer Stadt entwickelt.

Aus Fischen kam zum Beispiel der akademisch ausgebildete Johann Baptist Herz (1674-1767), der mit seinen drei Söhnen, die alle in Immenstadt geblieben sind, das gesamte Oberallgäu mit Altarbildern, Votivtafeln und Porträts versorgte. Die Herz waren durch Vermittlung des Landkomturs Christian Moritz zu Königsegg-Rothenfels auch für den Deutschen Orden tätig. Johann Baptist Herz war der Sohn des «kunsterfahrenen» Fischinger Barbiers Michael Herz und war ab 1714 auch einige Jahre in Markdorf am Bodensee tätig. Er wurde 1723 Immenstädter Bürger und kaufte 1724 vom Heilig-Geist-Spital ein Häusle in der «Baritte» (= Bachreute), in dem 1919 das «Oberallgäuer Heimatmuseum» eröffnet worden ist. Es fiel im Zweiten Weltkrieg einem Bombenangriff zum Opfer.

Ein Sohn des Fischinger Vögelesmüller Ignaz Dornach war der Bildhauer Christian Dornach (1755-1821), der es von Immenstadt aus zu hohem künstlerischem Ansehen gebracht hat. Er war in ganz Oberschwaben und darüber hinaus ein vielbeschäftigter Künstler, der für das Haus Königsegg, für verschiedene andere Adelsdynastien sowie für den Klerus tätig war. Durch die Heirat seiner Tochter Josefa (1788-1869) mit einem Abkömmling der Malerfamilie Herz verbanden sich die im Städtle künstlerisch führenden Familien Fischinger Abstammung. Christian Dornach wohnte damals an der heutigen Kreuzung Schießstättstraße-Kalvarienbergstraße, in dem Haus Kalvarienbergstraße 2.

Auch der Bäcker Anton Drexel kam mit seiner Familie aus Fischen, darunter der Sohn Nicolaus Drexel (1795-1851), der bereits im Alter von 15 Jahren an der Münchner Kunstakademie eingeschrieben war. Er entwickelte sich zu einem sehr guten Porträtisten, der einfache Leute ebenso konterfeite wie Personen des Adels oder der Gesellschaft. Gleichzeitig war er ein gesuchter Künstler für Altarbilder und weitere Gemälde geistlichen Inhalts, von denen sich noch heute eine beachtliche Anzahl in unserer Gegend finden lassen. Nicolaus Drexel kann als «der» Wegbereiter für die Lithografie im Oberallgäu gelten. In dieser neuartigen Kunstrichtung wurde er zum Lehrmeister und Förderer von Xaver Glötzle, dem Begründer des «Allgäuer Anzeigeblattes».

Um das Jahr 1806 erwarben die Gebrüder Markart aus Fischen die Waffen- und Achsenschmiede des Mang Elgaß am Steigbach. Anton Markart erhielt das Immenstädter Bürgerrecht und begründete die einflussreiche Markartsippe im Städtle. Die kaufmännisch äußerst erfolgreiche Familie war liberal-demokratischem Ideengut zugeneigt und nach damaliger Behörden- und Kirchenmeinung «links orientiert». Die Markartsöhne Karl, Anton und Theodor sahen deshalb 1852/53 nur in der Auswanderung nach den USA eine Zukunft. Die Markarttochter Josepha heiratete 1826 den Immenstädter Demokratievorkämpfer Fidel Schlund.

Offener Freund Schlunds war der in Fischen geborene Peter Paul Markart (1826-1901). Als Eigentümer eines florierenden Handels- und Frächterbetriebes brachte er es zu einem beachtlichen Wohlstand. Er begründete die Mechanische Baumwollspinnerei in Fischen und bekleidete von 1873 bis 1899 mit großem Engagement und Umsicht das Amt des Immenstädter Bürgermeisters. Unter seinen vielen, für die Stadt hervorragend gelösten Aufgaben, war die Verbauung des immer wieder zu Zerstörungen neigenden Steigbaches wohl die umfangreichste und nachhaltigste.

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