Ostallgäu
Krise bremst den Bedarf an Krippenplätzen

«Flächendeckend, gut und funktionierend.» So beschreibt Anja Mayr vom Ostallgäuer Jugendamt mittlerweile die Situation bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren im Landkreis. 2006 gab es in den 45 Gemeinden gerade mal zwei Krippen für die ganz Kleinen, inzwischen finden sich fünf Krippen und 15 Kindergärten mit speziellen Gruppen. Für 14 Prozent der Kinder bestehe eine Betreuungsmöglichkeit. «Wir haben es geschafft, den Bedarf der Eltern zu decken», freute sich Mayr als Referentin vor den Ostallgäuer Bürgermeistern.

Die Entscheidung, ein Kind in eine Krippe zu geben, falle rationaler als die Entscheidung für den Kindergarten, berichtete Mayr. Daher kommen Kinder unter drei Jahren nur dann in eine Einrichtung, wenn die Kosten für die Betreuung und der Verdienst aus einer Berufstätigkeit während der Betreuung in einem vernünftigen Verhältnis stünden. Bremsend wirke hier die derzeitige Wirtschaftskrise: Kurzarbeit und schlechtere Bedingungen für den Wiedereinstieg von Frauen.

Dieser Ostallgäuer Trend kann für Füssen allerdings nicht ganz bestätigt werden: Wie mehrfach berichtet, plant die Stadt den Bau einer Kindertagesstätte, in der auch zwei Krippengruppen unterkommen sollen. Denn die momentan vorhandenen 17 Krippenplätze im Venetianerwinkel reichen bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken.

Tendenziell stellt auch das Jugendamt - trotz momentaner Stagnation für den ganzen Landkreis - eine steigende Nachfrage für die Kleinkindbetreuung fest. Derzeit mahnt Mayr aber etwas zur Vorsicht, um Überkapazitäten zu vermeiden.

Wunsch: mehr Flexibilität

Diese Gefahr sehen auch manche Bürgermeister. Thomas Pihusch (Roßhaupten) etwa wünscht sich mehr Flexibilität. Denn wenn eine Gemeinde für einen Krippenbau hohe Zuschüsse bekommt, sei dies mit einer 20-jährigen Zweckbindung verknüpft. Amtskollege Johann Stich aus Ruderatshofen verweist auf ein weiteres Problem: Die Flexibilität der Öffnungszeiten verlange auch dem Personal mit wechselnden Stundenzahlen viel ab.

Um ein flächendeckendes Angebot zu gestalten, gibt es auch gemeindeübergreifende Kooperationen. So werden Kleinkinder aus Lengenwang in Seeg betreut, Aitranger Kinder kommen nach Biessenhofen und Kraftisrieder belegen die neue Krippe in Unterthingau mit. Zudem, so klärte Mayr die Bürgermeister auf, bestehe ein Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr, wenn dies den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.

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