Marktoberdorf / Ostallgäu
Krise bremst Bedarf an Krippenplätzen

«Flächendeckend, gut und funktionierend.» So beschreibt Anja Mayr vom Ostallgäuer Jugendamt mittlerweile die Situation bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren im Landkreis. 2006 gab es in den 45 Gemeinden gerade mal zwei Krippen für die ganz Kleinen, inzwischen finden sich fünf Krippen und 15 Kindergärten mit speziellen Gruppen. Für 14 Prozent der Kinder bestehe eine Betreuungsmöglichkeit. «Wir haben es geschafft, den Bedarf der Eltern zu decken», freute sich Mayr als Referentin vor den Ostallgäuer Bürgermeistern.

Die Entscheidung, das eigene Kind in eine Krippe zu geben, falle rationaler, als die Entscheidung für den Kindergarten, berichtete Mayr. Daher kommen Kinder unter drei Jahren nur dann in eine Einrichtung, wenn die Kosten für die Betreuung und der Verdienst aus einer Berufstätigkeit während der Betreuung in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Bremsend wirke hier die derzeitige Wirtschaftskrise: Kurzarbeit und schlechtere Bedingungen für den Wiedereinstieg von Frauen.

Stadt muss über neue Angebote nachdenken

Diesen Ostallgäuer Trend kann Wolfgang Wieder, im Marktoberdorfer Rathaus für die Kinderbetreuung zuständig, nicht ganz bestätigen. Die im Herbst eröffnete Kinderkrippe mit 45 Plätzen in drei Gruppen werde durch unterschiedliche Belegzeiten von 54 Kindern genutzt.

Trotz neuer Krippen in Unterthingau und Altdorf gebe es Nachfrage auch aus den Nachbargemeinden. Ursache dafür seien kürzere Öffnungszeiten der Landkrippen, die einkommensabhängigen Gebühren in Altdorf und berufliche Verflechtungen zwischen Stadt und Umland. Wieder geht davon aus, dass die Stadt in den nächsten Jahren die Kapazität für die Kleinkindbetreuung erweitern muss. Zusätzlich zur Krippenbetreuung fänden auch viele Buben und Mädchen unter drei Jahren in den Kindergärten einen Platz, wenn sie im Herbst schon zweieinhalb Jahre alt sind.

Tendenziell stellt das Jugendamt - trotz momentaner Stagnation - eine steigende Nachfrage für die Kleinkindbetreuung fest. Derzeit mahnt Mayr aber ein bisschen zur Vorsicht, um keine Überkapazitäten zu schaffen.

Diese Gefahr sehen auch manche Bürgermeister. Der Roßhauptener Rathauschef Thomas Pihusch wünscht sich mehr Flexibilität. Denn wenn eine Gemeinde für einen Krippenbau hohe Zuschüsse bekommt, sei dies mit einer 20-jährigen Zweckbindung verknüpft. Johann Stich, Bürgermeister in Ruderatshofen, verweist auf ein weiteres Problem: Die Flexibilität der Öffnungszeiten verlange auch dem Personal mit wechselnden Stundenzahlen viel ab.

Um ein flächendeckendes Angebot zu gestalten, gibt es auch gemeindeübergreifende Kooperationen. So werden Kleinkinder aus Lengenwang in Seeg betreut, Aitranger Kinder kommen nach Biessenhofen und Kraftisrieder belegen die neue Krippe in Unterthingau mit.

Zudem, so klärte Mayr die Bürgermeister auf, bestehe ein Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr, wenn dies den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.

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